Individuelle
Berufsfindung

Von der Journalistin zur Försterin
Heide Kuhlmann aus Köln

Heide hat Politik und Geschichte studiert und arbeitet als Chefin vom Dienst bei einer Autozeitschrift. Im Seminar beschließt sie, den Bürostuhl gegen einen Sitz im Geländewagen einzutauschen und Försterin zu werden. Erst bittet sie ihre Freunde, nicht über den neuen Berufswunsch zu lachen. Das stellt sie aber bald ein, weil ohnehin keiner lacht.

Heide kontaktiert mehrere Revierförster und -försterinnen sowie einen Beamten im höheren Forstdienst. Alle sind freundlich, offen und bieten ihr an, den Beruf näher kennen zu lernen. Heide kauft sich Gamaschen und Trekkingstiefel. Nur mit Jeans kommt man nicht so gut durchs Unterholz.

Wenige Wochen nach dem Seminar begleitet Heide mit 38 Jahren zum ersten Mal drei Tage eine Försterin im Wald. Sie ist selbst Quereinsteigerin und zeigt ihr, wie man eine Durchforstung angeht, Rückegassen auszeichnet, Vollernter einsetzt (Maschinen, die Bäume packen, absägen, umknicken und zersägen können) und die Spuren der großen Maschinen im Wald wieder beseitigt. "Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, ich kann richtig arbeiten und eine Sache von A bis Z durchziehen. Es klingelt nicht dauernd das Telefon, und es wollen auch nicht 20 Redakteure gleichzeitig etwas von mir. Den Duft und die Geräuschkulisse des Waldes gibt's gratis dazu."

Das nächste Praktikum verspricht noch ein Highlight: Heide möchte unbedingt einen Hund. Zum Glück ist der Praktikumsförster in der Jagdhundausbildung aktiv. Vielleicht kann sie von ihm lernen, wie sie ihren Hund später selbst ausbilden kann. Ins Auge gefasst ist ein Kleiner Münsterländer.

Mitten im Praktikum schickt Heide folgende Mail.

Im Februar 2009 war Heide im Seminar. Im Juli darauf erscheint ein Artikel über sie im Focus. Eine weitere Woche später bekommt sie die Zusage für ihren Studienplatz an der FH und zieht nach Göttingen.

Ihr erstes Semester schließt sie im Februar 2010 als Beste ihres Jahrgangs ab. Daraufhin schlägt sie der Studiendekan für ein Stipendium vor, für das sie eigentlich zu alt ist. Heide arbeitet inzwischen als Tutorin für Biometrie an der Fachhochschule. Wegen guter Noten erhält sie außerdem 500 Euro vom Land Niedersachsen. Im Jahr darauf ebenso: "Aufgrund Ihrer herausragenden Leistungen im Studium und Ihres besonderen sozialen Engagements", wie es in der Begründung heißt.

Nach einem Jahr Studium geht Heide zurück zu ihrem Praktikumsförster, um ein paar Tage mit ihm im Wald zu arbeiten. Hier ihr Tagebuchauszug. Im Juni 2011 bekommt sie ihren Jagdschein.

Heide Kuhlmann Heide Kuhlmann Heide Kuhlmann nach der Bockjagd

Infos zum Workshop anfordern


< zurück
© 1997-2011 uta glaubitz startseite|kontakt|sitemap|impressum