Individuelle
Berufsfindung

Das Anschreiben

Traurig, aber wahr: Vier von fünf Bewerbern gelingt es nicht, ein fehlerloses Anschreiben zu Papier zu bringen. Damit disqualifizieren sie sich bei der Bewerberauslese von vornherein. Manche Worte sind schlicht falsch geschrieben, anderen fehlen die Endungen, und gar nicht so selten bleiben gutgemeinte Sätze unvollständig. Schwächen in der Groß- und Kleinschreibung, ganz zu schweigen von der Kommasetzung, runden das schlechte Erscheinungsbild vieler Anschreiben ab.

Viele Bewerbungsbriefe sind nicht nur fehlerhaft, sondern auch noch langweilig und nichtssagend formuliert. Mit einem Anschreiben, das nur aus Standardfloskeln besteht, locken Sie keinen Personalchef mehr hinterm Ofen hervor. Vor allem der erste Satz bietet zahlreiche Möglichkeiten Fehler zu machen.


Formulierungsnöte

Bewerber lieben das Wort hiermit: "hiermit bewerbe ich mich auf oben angegebene Stelle", "hiermit stelle ich mich Ihnen als gelernter Zahntechniker vor", "wie besprochen sende ich Ihnen hiermit meine Bewerbungsunterlagen zu." Leider transportiert das Wort hiermit in keinem dieser Sätze irgendeine Bedeutung. Mit derartigen Füllwörtern machen Sie dem Leser wenig Lust auf Ihren Brief.

Das gleiche gilt für sperrige und unnütze Wendungen wie oben genannte, oben angegebene, im folgenden, vom gestrigen Tage oder bezugnehmend auf. Mit solchen Formulierungen machen Sie als Bewerber nicht etwa einen professionellen, sondern eher einen umständlichen und bürokratischen Eindruck. "Formalistische und verschachtelte Formulierungen wirken unnatürlich", bestätigt Helmut Bill, Personalleiter der Nachrichtenagentur Reuters in Frankfurt.

Diese Wort-Beispiele sind jedoch nur stellvertretend für die Unbeholfenheit, mit der viele Anschreiben daherkommen. Wenn Sie sich nun vorstellen, dass ein Personalentscheider möglicherweise bis zu hundert dieser Anschreiben hintereinander liest, können Sie vielleicht erahnen, wie aggressiv zuweilen auf monotone und schematische Formulierungen reagiert wird.

Tipp

Wahrscheinlich finden auch Sie regelmäßig unaufgefordert eingesandte Werbeanschreiben in Ihrem Briefkasten vor. Handyanbieter, Pizzerien und Versicherungen bewerben sich quasi bei Ihnen und anderen Verbrauchern. Diese Werbebriefe liefern gutes Anschauungsmaterial zum Thema Fehler im Anschreiben. Nehmen Sie sich einige dieser Briefe vor. Überlegen Sie: Was finde ich an diesem Werbeanschreiben gut, und was gefällt mir am wenigsten?

Der Anfang

Der erste Satz ist eine besonders exponierte Stelle des Anschreibens. Daher verwundert es um so mehr, dass die meisten Bewerber den Auftakt komplett verschenken. Ein Beginn mit: "Sehr geehrte Frau Schneider, auf Ihre Annonce in der Neustädter Tageszeitung möchte ich mich bewerben" ist zwar sachlich nicht falsch, aber eigentlich selbstverständlich. Vermutlich haben Sie genau diesen Bewerbungswunsch in der Betreffzeile bereits eindeutig formuliert. Schließlich hätten Sie sonst keinen Brief geschrieben und auch nicht Ihre Bewerbungsmappe beigelegt.

Noch schlechter allerdings stehen Bewerber da, die sich im ersten Satz nur auf ihre eigenen Wünsche beziehen. Wenn ein Personalchef liest "die von Ihnen ausgeschriebene Stelle reizt mich besonders" wird er sich – zu Recht – fragen, warum ihn das interessieren sollte. Dasselbe gilt für Briefanfänge wie "ich suche eine abwechslungsreiche Stellung als Sekretärin" oder "Ihre Anzeige hat mein Interesse geweckt". An eine so exponierte Stelle des Briefs gehört der Hauptgrund, aus dem das Unternehmen sich für Sie interessieren sollte.


Der Text

Einen typischer Anfängerfehler begeht, wer zu viele Details ins Anschreiben packt, darunter womöglich noch "negative" (warum schlechte Noten, Kündigung etc.). Einige Bewerber verlieren sich in überkorrekten, aber uninformativen Angaben über den eigenen Werdegang. "Manche verfassen quasi ihren gesamten Lebenslauf noch einmal in Prosa", kritisiert Franziska Nick, ebenfalls von Reuters.

Häufig stellt sich beim Lesen der Eindruck ein, hier hätte jemand ohne groß nachzudenken einfach drauf los geschrieben. Es ist beispielsweise für Ihren zukünftigen Chef völlig uninteressant, dass Ihre Stelle vor zwei Jahren bloß ein befristeter Vertrag war. Und dass Sie vor Ihrer jetzigen Ausbildung mal eine abgebrochen haben, hilft einem Personalentscheider ebenfalls nicht weiter. Das Anschreiben ist jedoch quasi die erste Arbeitsprobe, die Ihr zukünftiger Chef von Ihnen in der Hand hält. Bereits hier zu zeigen: "Ich neige nicht dazu, mein Gehirn frühzeitig einzuschalten. Wichtige Dinge von unwichtigen zu trennen ist mir fremd", ist ein nicht eben optimaler Einstieg. Es gehört keineswegs zu den Aufgaben eines Personalchefs, in Ihrem Anschreiben nach den Informationen zu fahnden, die für ihn wichtig sind. Es ist vielmehr Ihre Aufgabe, nur die wesentlichen Informationen im Anschreiben zu präsentieren.

Zur Struktur eines Anschreibens gehört auch die angemessene Länge: anderthalb Seiten sind dabei das Maximum. "Mehr," so Josef Westhoff von Sony in Köln, "bedeutet fast immer, dass der Bewerber rumseiert und mit vielen blümchenhaften Formulierungen vermeidet auf den Punkt zu kommen." Westhoff beschreibt damit die am häufigsten geäußerte Beschwerde von Personalern über die eingesandten Anschreiben.


Die Sprache

Besondere Spezialität einiger Bewerber ist es, das Anschreiben mit Fachtermini aus dem jeweiligen Gebiet vollzustopfen. Programmierer oder Ingenieure beispielsweise gehen häufig davon aus, dass Sie im Leser Ihres Anschreibens einen "Geistesverwandten" vor sich haben. Das muss aber keinesfalls so sein: Personalentscheider kommen häufig nicht aus dem jeweiligen Fachgebiet, sondern aus der Betriebswirtschaft oder Psychologie. Und die wissen mit Formulierungen à la "In der Realisierung von quasi-relationalen Mappings zwischen OO-Modellen auf Smalltalk-Clients und MQS-basierten Hoststrukturen (Cobol-Copy-Books) unter zu Hilfenahme der Middleware MDp auf Basis von MQSeries kenne ich mich gut aus" nichts anzufangen. Hier hilft es auch nicht, die technischen Sachverhalte lang und breit zu erklären.

Dasselbe gilt für die unnatürlich-bürokratische Sprache, die einige Bewerber an den Tag legen. Wendungen wie hiermit oder bezugnehmend auf wurden bereits erwähnt. Daneben erfreut sich die Abkürzung z. Hd. (für: zu Händen) im Adressfeld und der Hinweis Anlagen unter der Signatur immer noch großer Beliebtheit, obwohl sie eigentlich nichts bedeuten. Diese Art Briefe zu gestalten gehört eher in deutsche Amtsstuben als zum Bewerbungshandwerk einer ambitionierten Fachkraft.

Eine technik-lastige oder bürokratische Sprache ist für Ihr Bewerbungsvorhaben also unangemessen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie statt dessen im locker-flockigen Plauderton einen Brief an Ihren zukünftigen Chef verfassen. Formulierungen wie "Hallo Ihr Lieben, schon mal was von Petra Schneider gehört? Na, dann wird's aber Zeit!" zeigen, dass Sie Privates mit Geschäftlichem verwechseln.


Die Anrede

Völlig ungeeignet für einen Brief, der für Sie werben soll, ist auch die Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren". Mit dieser Formulierung zeigen Sie, dass Sie es versäumt haben, im Vorfeld Ihrer Bewerbung telefonisch nach einem Ansprechpartner, einer Ansprechpartnerin zu fragen.

Vor allem, wenn Ihre Kontaktperson in der Anzeige bereits genannt ist, macht es sich denkbar schlecht, wenn Sie Ihr Gegenüber ohne Namen und damit unpersönlich ansprechen. Im Laufe des weiteren Briefs wird es dann schwierig für Sie den Eindruck eines engagierten und ambitionierten Bewerbers zu erzeugen. Eine Ausnahme dieser Regel gilt lediglich für Chiffreanzeigen ohne Telefonnummer.

Hinweis

In manchen Stellenanzeigen ist keine Telefonummer angegeben. Einige Bewerber nutzen in solchen Fällen die unpersönliche Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren" mit der Begründung, die Nummer hätte schließlich nicht in der Anzeige gestanden. Da es neben der ehemaligen Post mittlerweile mehrere Anbieter von Telefonauskunftsdiensten gibt, zählt diese Ausrede im Bewerbungsverfahren nicht.

Wenig ansprechende Gestaltung

Viele Bewerber machen sich überhaupt keine Gedanken über die äußere Gestaltung Ihres Anschreibens. Franziska Nick von Reuters bestätigt das: "Selbst bei Sekretärinnen, die nun wirklich wissen sollten, wie man einen Brief ansprechend gestaltet, bin ich oft enttäuscht und frage mich: 'Was hat sich die Bewerberin bloß dabei gedacht?'"

Ein sicherer Weg den Personalchef davon abzuhalten mit Neugier und Interesse eine Bewerbung zu prüfen ist eine auf den ersten Blick völlig unübersichtliche Bleiwüste. Dieser Eindruck entsteht schnell durch zu kleine Schriftgrade und mangelnde innere Struktur des Brieftexts. Mit verspielten Schriften oder einem aufwendigen Briefkopf erwecken Sie den Eindruck, es käme mehr auf Äußerlichkeiten an als darauf Informationen zu vermitteln. Eine Unterschrift, die lediglich aus einigen übergroßen Kringeln besteht, dient ebenfalls nicht der Sympathiemobilisierung. Apropos große Kringel: Franziska Nick weist darauf hin, dass auch im Zeitalter des Computers immer noch handgeschriebene Bewerbungen im Umlauf sind. Wohlwollend gelesen würden diese jedoch in den seltensten Fällen. Ihr selbst fehlt jedenfalls die Geduld, die teilweise unleserlichen Handschriften zu entziffern.

Einer der häufigsten äußerlichen Fehler des Anschreibens ist es übrigens den Brief nicht lose obenauf zu legen, sondern entweder mit in die Bewerbungsmappe zu heften oder in einem kleinen Extra-Umschlag beizufügen.


Gimmicks

Ein Bewerber sandte seine Unterlagen mit einem Ziegelstein ein. Das Anschreiben klärte: "Dieser Stein würde mir vom Herzen fallen, wenn Sie mich einstellen." Die Botschaft kam – wen wundert's? – schlecht an: Schließlich fühlte sich das Unternehmen nicht dafür zuständig, dem Bewerber das Gewissen zu erleichtern.

Solche Gimmicks sind ohnehin eine heikle Angelegenheit. Auch mit beigelegten Kaugummis ("für ein erfrischendes Gespräch") oder Schecks ("für die Zeit, die Sie verbringen, diese Bewerbungsmappe zu lesen") können Sie sehr schnell daneben liegen. "Originalität um ihrer selbst willen kommt nicht an", bestätigt Gerald Maier von der Personalabteilung der Metallgesellschaft in Frankfurt. Ganz leicht vermitteln Bewerber mit solchen Spielereien einen wenig seriösen Eindruck und rufen eher Achselzucken als Begeisterung unter den Personalchefs hervor.


Und zum Schluss

Von seinem Lieblingsfehler in Sachen Anschreiben berichtet Josef Westhoff von Sony: "Das Schlimmste an den Briefen der Bewerber ist nicht die manchmal nachlässige äußere Gestaltung. Richtig peinlich wird es erst, wenn jemand mit Hilfe seiner Textverarbeitung immer wieder einzelne Textbausteine verschiebt. Man merkt dann beim Lesen schnell, dass das ganze Schreiben aus verschiedenen Bewerbungen zusammengestückelt ist. Wenn ein Brief an Sony endet mit 'Über ein persönliches Gespräch in den schönen Räumen Ihres Hotels würde ich mich sehr freuen', wundere ich mich schon ein bisschen."

 

Wie Sie gekonnter formulieren

Der Vorab-Telefonanruf und das Anschreiben sind die erste Möglichkeit für Ihren hoffentlich zukünftigen Chef, etwas von Ihnen kennenzulernen. Zur Erinnerung: nicht nur Sie haben Angst bei einer Bewerbung durchzufallen; auch Ihren Chef plagt die Sorge, mit einer falschen Personalentscheidung sein Unternehmen und das Klima unter den Mitarbeitern zu belasten. Daher ist es in Ihrem ersten Auftritt um so wichtiger, einen wirklich guten Eindruck zu hinterlassen. "Ich bin in der Lage, Arbeit vom Tisch zu schaffen und außerdem ein sympathischer Mensch, mit dem andere gern zusammenarbeiten", lautet Ihre Botschaft (die Sie allerdings so bitte nicht hinschreiben!). Doch: "Wie geht das?", werden Sie sich jetzt fragen.

Da der erste Satz bereits darüber entscheiden kann, ob Ihr Adressat geneigt ist, den Brief überhaupt zu Ende zu lesen, zeigen Sie genau hier am besten, warum Ihr zukünftiger Chef sich für Sie interessieren sollte. Zum Beispiel so: "Seit drei Jahren arbeite ich als Zahntechnikerin in einem Hamburger Labor und bin dort mit allen handwerklichen Aufgaben wie x, y und z betraut". Oder: "Nach meinem Studium der Psychologie habe ich sechs Monate als Praktikantin in der abc-Werbeagentur gearbeitet und dort erste Erfahrungen als Projektassistentin gesammelt."

Möglichst weit vorn im Anschreiben sollten Sie einen Bezug zwischen sich und dem ausgeschriebenen Arbeitsplatz herstellen. Aus Ihren Formulierungen muss hervorgehen, warum Sie genau dorthin gut passen. Das funktioniert natürlich nur, wenn Sie etwas über das Unternehmen wissen. Schauen Sie sich Produkte und Dienstleistungen, Kultur und Geschichte des Betriebs, der Agentur an. Das mag zwar aufwändig sein, doch "wer es schafft, uns ganz individuell mitzuteilen, warum er genau für diesen Job in unserem Unternehmen geeignet ist, hat die besten Chancen", erklärt Franziska Nick von Reuters.

Das bedeutet, dass Sie im Vorfeld sämtlicher Formulierungsversuche klären, um was für ein Unternehmen und um was für einen Arbeitsplatz es sich genau handelt. Dann können Sie in Ihrem Anschreiben auch begründen, warum Sie ins Unternehmen passen. Etwa so: "Da ich nach meiner Ausbildung zwei Jahre im Sekretariat eines schwedischen Ingenieurbüros gearbeitet habe, möchte ich meine Schwedisch-Kenntnisse und mein Wissen über die skandinavische Geschäftskultur gern in ein Unternehmen einbringen, das intensive Kontakte in den Norden pflegt."


Ruf doch mal an!

Um sich zusätzlicher Sorgen um einen gelungenen Briefanfang zu entledigen, eignet sich der Bezug auf das vorab geführte Telefongespräch. Wer anruft, signalisiert von vornherein Motivation und eigenes Engagement. In einem solchen Telefongespräch können Sie Fragen stellen, die sich aus der Anzeige ergeben. Personalchefs sprechen gern über ihre Firma, vor allem über Größe und Zahl der Mitarbeiter. Zeigen Sie Interesse am Umfeld Ihres angestrebten Arbeitsplatzes oder stellen Sie konkrete Fragen zur Stellenausschreibung:

"Guten Tag Frau Müller, gerade habe ich Ihre Anzeige in der xyz-Zeitung gelesen. Ich interessiere mich sehr für die Stelle als Redaktionsassistentin. Ich habe eine Frage, bevor ich Ihnen meine Unterlagen sende: Die Stelle ist ja für Fremdsprachenkorrespondentinnen ausgeschrieben. Nun bin ich von der Ausbildung her Sekretärin, spreche aber gut Englisch und ein passables Französisch. Ich würde mich sehr für eine Tätigkeit im Printmedienbereich interessieren. Sehen Sie da eine Chance für mich, oder sind Sie auf Fremdsprachenkorrespondentinnen festgelegt?"

Locken Sie Ihren Gesprächspartner in einem solchen Vorab-Telefonat ruhig ein wenig aus der Höhle. Vielleicht verrät er Ihnen weitere, informelle Einzelheiten über den ausgeschriebenen Arbeitsplatz, die aus der Stellenannonce nicht hervorgehen. Sollten Sie nicht sofort zum Personalchef durchkommen, seien Sie nicht enttäuscht, sondern verhalten Sie sich der Sekretärin gegenüber genauso professionell. Schließlich wird sie sicherlich später Ihrem Chef davon berichten, dass ein "sehr sympathischer Mann", "eine sehr nette Bewerberin" angerufen hat.

Eine gute Formulierung um die Sekretärin für sich einzunehmen lautet:

"Guten Tag, Frau Rischer, ich habe ein Problem. Ich würde mich gern auf die von Frau Warthe ausgeschriebene Stelle bewerben. Einige Details gehen dabei nicht so klar aus der Anzeige hervor. Daher würde ich gern mit Frau Warthe vorab kurz telefonieren. Es dauert auch nicht länger als drei Minuten. Haben Sie einen Tipp, wann ich Frau Warthe erreichen kann?" Wenn Sie so reden, beziehen Sie die Sekretärin in Ihr Vorhaben mit ein.

Wichtig ist, dass Sie Ihrem Telefongegenüber Freundlichkeit, Lebendigkeit und Motivation vermitteln und auf diese Weise Sympathie wecken. Stehen Sie daher auf, wenn Sie telefonieren, das gibt Ihrer Stimme Kraft und Ausdrucksvermögen. Stellen Sie sich vor einen Spiegel und lächeln Sie offen und freundlich, auch das beeinflusst Ihre Art und Ihre Stimme.

Machen Sie sich vor dem Telefonat einige schriftliche Notizen, was Sie auf keinen Fall vergessen dürfen. Personalentscheider sind häufig gestresst, wenn das Telefon klingelt. Sie werden sich aber dann Zeit für Sie nehmen, wenn es Ihnen gelingt zu vermitteln: hier ruft ein interessanter Kandidat, eine interessante Kandidatin an. Daher müssen auch in einem Telefonat die ersten Sätze richtig sitzen.

Auch hier gilt: Holen Sie vorher einige Informationen über das Unternehmen ein, die Sie in Ihren ersten Sätzen am Telefon direkt anbringen. Etwa so: "Guten Tag, Herr Schuhmann, ich habe im Kölner Stadtanzeiger gelesen, dass Sie einen Drucker suchen. In der Fachzeitschrift Z wurde berichtet, dass Sie erst vor kurzem das abc-System eingeführt haben. Die Probleme, die am Anfang mit der dazugehörigen Software auftauchen, haben wir während meiner Ausbildung im xyz-Betrieb mit einem Team aus Druckern, Programmierern und Ingenieuren gut in den Griff bekommen. Diese Erfahrung könnte ich in Ihr Unternehmen einbringen. Daher würde ich mich gern auf die ausgeschriebene Stelle bewerben. Bis wann benötigen Sie meine Unterlagen?"

Halten Sie für Ihr Telefonat Papier und Stift bereit, falls Sie etwas notieren müssen. Wenn der Personalchef durchblicken lässt, dass er vor allem sehr gute Teamplayer sucht, dann wissen Sie, was Sie im Anschreiben noch erwähnen müssen. Aber bitte nicht: "Ich bin ein guter Teamplayer". Beschreiben Sie lieber, wie Sie in der Vergangenheit in einem Team erfolgreich gearbeitet haben. Wenn Sie Berufsanfänger sind, dürfen Sie Ihre Teamfähigkeit auch durch die Angabe eines Hobbys oder einer Freizeitaktivität belegen.


Checkliste Telefon

Halten Sie vorab Ihre wichtigsten Punkte schriftlich fest. Notieren Sie den Namen Ihres Gesprächspartners und sprechen Sie ihn damit an.
Stehen Sie auf, wenn Sie telefonieren. Benehmen Sie sich nicht unterwürfig, sondern vermitteln Sie, was Sie an Erfahrung und Motivation anzubieten haben. Telefonieren Sie niemals von Ihrem jetzigen Arbeitgeber aus. Vermutlich können Sie dort nicht ungestört sprechen.
Verabschieden Sie sich mit der Zusage, Ihre Unterlagen einzusenden und halten Sie Ihr Versprechen.


Nach gelungenem Auftakt

Sie können Ihr Anschreiben nun beginnen mit "Herzlichen Dank für das Telefonat von gestern" und dem wichtigsten Argument, das für Sie spricht. Gehen Sie im nun folgenden Mittelteil Ihres Briefs auf die weiteren Fähigkeiten ein, die Sie für die Stelle qualifizieren. Dabei dürfen Sie ruhig die ein oder andere persönliche Stärke zum Ausdruck bringen. Schließlich gibt es viele Leute mit guten Abschlüssen und formalen Qualifikationen. Lassen Sie Ihr Gegenüber also wissen, dass Sie mehr zu bieten haben als eine Ausbildung oder ein Studium. "Gute Noten haben die anderen auch", bestätigt Uwe Kümmeth, stellvertretender Personalleiter bei Siemens in Amberg.

Für die Angabe sämtlicher Stärken und Fähigkeiten gilt: Stellen Sie einen Bezug zu dem Arbeitsplatz her, auf den Sie sich bewerben. Belegen Sie auf diese Weise, wie ernst Ihr Engagement ist. Behaupten Sie nicht einfach, bestimmte Stärken zu haben ("ich bin zuverlässig, flexibel und leistungsfähig"), sondern berichten Sie, wie Sie diese bereits erfolgreich eingesetzt haben. Beispielsweise so: "Ich bin mit allen Aufgaben des Empfangsbereichs vertraut und bewahre auch im ständig wechselnden Tagesgeschäft den Überblick und einen kühlen Kopf. Mit meiner offenen Art und meinem sicheren Auftreten empfange ich die Kunden des Unternehmens in einer angenehmen und freundlichen Atmosphäre."


Checkliste Anschreiben

Nennen Sie in der Anrede den Namen des zuständigen Mitarbeiters anstatt unpersönlich an "Sehr geehrten Damen und Herren" zu schreiben.
Bedanken Sie sich für das vorab geführte Telefongespräch.
Nennen Sie zu Beginn das Wichtigste, das Sie für die Stelle qualifiziert.
Zeigen Sie danach in wenigen Sätzen, was Sie zu bieten haben und warum das Unternehmen sich ausgerechnet für Sie entscheiden sollte. Verlassen Sie sich dabei nicht darauf, dass Sie ein Studium, eine Ausbildung abgeschlossen haben.

Den möglichen Eintrittstermin und einen Gehaltswunsch geben Sie nur dann an, wenn es in der Anzeige ausdrücklich erwünscht ist. Gehälter werden immer als Jahresbruttogehalt angegeben, etwa so: "Als Gehalt stelle ich mir DM 60.000 bis 65.000 p.a. (für per annum, pro Jahr) vor".
Der Brief endet mit dem Ausdruck, dass Sie sich über die Einladung zu einem Gespräch freuen, freundlichen Grüßen (nicht: Hochachtungsvoll) und Ihrer Unterschrift.

Tipp

Wenn Sie Ihr Anschreiben fertig formuliert haben, lesen Sie es sich selbst mehrmals laut vor. Sie werden dann schnell merken, welche Formulierungen gelungen sind und welche nicht. Vor allem die Stellen, an denen Sie sich verlesen, sollten Sie überarbeiten.

Da jedes Anschreiben individuell auf die Anzeige und auf die Person des Bewerbers eingehen muss, ist es schwierig, konkrete Formulierungshilfen zu geben. Zur Anregung:


Lisa Mustermann
Rosenstr. 5
12345 Neustadt
T: 0123-45 67 89
F: 0123-45 67 99

ABC-Versicherung
Personalabteilung
Herrn Georg Müller
Tulpenweg 12

56789 Mühlstadt

Neustadt, 3. Dezember 1998


Bewerbung als Sachbearbeiterin Personal

Sehr geehrter Herr Müller,

herzlichen Dank für unser Telefonat von heute!

Seit drei Jahren arbeite ich als Sachbearbeiterin bei der xyz-Versicherung. Dort bin ich für die Prüfung und Abwicklung von Kfz-Versicherungsfällen verantwortlich. Da ich in einigen Wochen meine berufsbegleitenden Studien (Betriebswirtschaft/Personal) an der Wirtschaftsfachschule Köln abschließe, suche ich jetzt eine neue berufliche Herausforderung, in die ich meine langjährige Erfahrung in der Versicherungsbranche und meine Freude am Umgang mit Menschen einbringen kann. Daher möchte ich mich bei Ihnen als Sachbearbeiterin Personal bewerben.

Nach Abschluss meiner Lehre zur Bürokauffrau arbeitete ich zunächst beim abc-Verband. Meine guten Englischkenntnisse und meine Fähigkeit, mit vielen unterschiedlichen Leuten zusammenzuarbeiten, ermöglichten es mir, selbstständig das Sekretariat der Abteilung "Internationale Kontakte" zu führen. Ich bin heute im innerbetrieblichen Vorschlagwesen aktiv und habe verschiedene interne Umstrukturierungen in meinem Team erfolgreich durchgeführt.

Ich würde mich freuen, in einem persönlichen Gespräch mehr über die Personalpolitik Ihres Unternehmens zu erfahren.

Mit freundlichen Grüßen


(handschriftliche Unterschrift)

Ulrike Müller
Nelkenweg 15
12345 Neustadt
T/F: 0345-67 89111

Schmitz Sportswear
Frau Sabine Meier
Veilchenstr. 45

56789 Hofheim

Neustadt, 5. Juni 1998


Bewerbung als technische Zeichnerin/Mode


Sehr geehrte Frau Meier,

vielen Dank für die Informationen, die Sie mir in unserem Telefonat von gestern über die Pläne Ihres Unternehmens gegeben haben.

Im kommenden Juli schließe ich meine Gesellenprüfung zur Damenschneiderin ab. Durch die Ausbildung bei xyz bin ich damit vertraut, Ideen für sportliche, junge Mode zeichnerisch umzusetzen.

Eine Tätigkeit im Bereich Sportkollektion würde mir die Möglichkeit geben, meine beruflichen Erfahrungen in der Mode- und Textilindustrie und mein Interesse an Sport gewinnbringend in Ihrem Unternehmen einzusetzen. Daher bewerbe ich mich bei Ihnen als technische Zeichnerin/Mode.

Ich würde mich freuen, Ihnen in einem persönlichen Gespräch mehr über meine Ausbildung zu berichten.

Mit freundlichen Grüßen

(Unterschrift)


PS: Ich habe 1995 als Schülerin bereits ein Praktikum in der Bekleidungsabteilung Ihres Unternehmens absolviert und im Team von Frau Schmitz beim Zeichnen einiger Entwürfe geholfen.


Jörg Müller

Mühlengasse 9 32323 Neuenburg T: 0123-4567
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Neuenburger Sparkasse
Herrn Dr. Ulf Meier
Marktstr. 3

12345 Neuenburg


Neuenburg, 4. Dezember 1999

Bewerbung um einen Ausbildungsplatz zum Bankkaufmann


Sehr geehrter Herr Dr. Meier,

vielen Dank für unser Gespräch von heute! Ich freue mich sehr über das Angebot, Ihnen meine Bewerbungsunterlagen zu schicken.

Im kommenden Juni werde ich meine Mittlere Reife mit einem voraussichtlichen Zensurendurchschnitt von 2,0 abschließen. Da meine schulischen Leistungen vor allem in Mathematik und Wirtschaft überdurchschnittlich sind, möchte ich mich bei Ihnen um einen Ausbildungsplatz als Bankkaufmann bewerben.

Im Rahmen eines Schülerpraktikums hatte ich im Sommer 1997 bei der xyz-Bank drei Wochen lang die Gelegenheit, mich über den praktischen Arbeitsalltag eines Bankkaufmanns zu informieren. Dort konnte ich meine schnelle Auffassungsgabe und meine Fähigkeit auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren bereits unter Beweis stellen.

Über die Einladung zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch würde ich mich sehr freuen!

Mit freundlichem Gruß

(Unterschrift)

Karl Müller Altenburger Str. 45 54321 Neuendorf T: 0566-778899
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ABC Verlag
Personalleitung
Frau Maria Haller
ABC Weg

19191 Altenberg

Neuendorf, 1. Dezember 1998

Bewerbung als Projektleiter Multimedia


Sehr geehrte Frau Haller,

während meiner einjährigen Fortbildung zum Projektleiter Neue Medien an der Technischen Hochschule Neuendorf habe ich mich mit sämtlichen organisatorischen Aspekten von Multimediaprojekten vertraut gemacht. In einem anschließenden halbjährigen Praktikum realisierte ich einen multimedialen Auftritt der Firma abc auf der xyz-Messe. Zu meinen Aufgaben gehörten dabei die konzeptionellen Vorüberlegungen, die Betreuung des Teams aus Programmierern, Fotografen und Textern und die Klärung von Urheberrechtsfragen.

Während meines Studiums der Kommunikationswissenschaften habe ich als freier Programmierer elektronische Datenbanksysteme für kleine und mittelständische Unternehmen aufgebaut. Um meine Englischkenntnisse, aber auch mein Verständnis für den Einsatz neuer Medien zu vertiefen, habe ich zwei Semester in den USA am xyz-College in abc-Town studiert.

Ich würde mich freuen, mein Wissen über die Planung von Multimediaprojekten und meine Freude an der Arbeit mit unterschiedlichen Medien in Ihr Unternehmen einzubringen. Sind Sie interessiert? Dann freue ich mich auf die Einladung zum Gespräch.

Mit freundlichen Grüßen nach Altenberg

(Unterschrift)




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