Individuelle
Berufsfindung

Wie Ihre Bewerbungsmappe aussehen sollte

Gar nicht so selten melden sich auf eine Stellenanzeige über zweihundert Bewerber. Der Personalchef hat dann die undankbare Aufgabe, eine Mappe nach der nächsten aus ihrem Umschlag zu befreien und auf die Tauglichkeit des Bewerbers hin durchzusehen. Die ersten zehn Mappen bekommen noch jeweils zehn Minuten Aufmerksamkeit, Tendenz fallend. Bei den Kandidaten Elf bis Zwanzig beläuft sich die Betrachtungszeit im schlechten Fall bereits auf unter drei Minuten. Danach haben viele Mappen kaum noch eine Chance auf große Aufmerksamkeit. Manche schätzen die durchschnittliche Erstbetrachtungszeit gar auf "kaum mehr als dreißig Sekunden", so der Personalberater Heiko Mell aus Rösrath. Der Grund: alle sehen mehr oder weniger gleich aus, die meisten sind nicht auf das jeweilige Unternehmen abgestimmt.

Kleider machen Leute, und so kann auch der Umschlag Ihrer Bewerbungsmappe möglicherweise bereits eine verheerende Wirkung erzielen. Mit einem Smoking wirken Sie auf einer Strandparty ebenso unangemessenen und überdreht, wie wenn Sie mit kurzen Hosen in die Oper gehen. Augenmaß ist angesagt.

Wie also sieht Ihre Mappe aus, wenn der Personalleiter sie aus dem Umschlag zieht? Was ist der erste Eindruck? Wie haben Sie Ihr Prunkstück aufgemacht? Leider meistens schlecht. "Manche Mappen sind abgegriffen und zerknittert, da schon fünfmal verschickt", berichtet Franziska Nick von der Nachrichtenagentur Reuters. Kaffeeflecken, Fettfingerabdrücke und Kleckse aus der Druckerpatrone tun ihr übriges.

Manche Mappen stechen dem Personalchef bereits bei der Entnahme ins Auge. Allerdings erzielen die dazugehörigen Bewerber diesen Eindruck keineswegs im positiven Sinne, sondern mit gewagten Farbkombinationen und aufdringlichen Mustern. In einer Werbeagentur oder bei einer Clownvermittlung mögen Sie so angenehm auffallen. Bei anderen, konservativeren Arbeitgebern werden Sie damit allenfalls ein Kopfschütteln ernten.


Das Deckblatt

Das Deckblatt bietet die einfachste Möglichkeit die Bewerbungsmappe individuell für das Unternehmen zu gestalten, beispielsweise durch eine Beschriftung "Bewerbung als Reiseverkehrskaufmann bei xyz-Reisen" oder "Bewerbung als Bereichsleiter Konstruktion" und dann die Adresse des Unternehmens. Doch die meisten Bewerber machen sich noch nicht einmal diese Mühe. Entweder fehlt das Deckblatt komplett; oder es existiert, ist aber für jede Bewerbung einheitlich.

Der Inhalt

Immer wieder findet sich das Anschreiben fälschlicherweise als erstes Blatt in der Bewerbungsmappe. Den Brief aber legen die Unternehmen zu ihren Akten, während die Mappe bei Nicht-Gefallen wieder an Sie zurück geschickt wird, oder wenigstens werden sollte.

In dieser Mappe folgen nach dem Deckblatt ein ein- bis dreiseitiger Lebenslauf und die Zeugnisse. Leider vergessen viele ihren Schulabschluss. Andere versenden ihre Zeugnisse gleich im Original anstatt kopiert. Sie laufen dabei Gefahr, das eigene Abiturzeugnis nie wieder zu sehen.

Zuviel Plastik ist out

Neunzig Prozent aller Bewerber benutzen denselben Typ von Plastikmappe, in der mittels eines Klemm-Mechanismus die einzelnen Blätter befestigt werden. Insgesamt eignen sich solche Systeme eher für die Abgabe von Schulreferaten. "Diese Plastikmappen, womöglich noch mit jedem Blatt einzeln in Folie verpackt, müssen endlich vom Markt verschwinden", wünscht sich Franziska Nick von Reuters.

Einen ebenso schlechten Eindruck machen Bewerbungsunterlagen, bei denen alle Blätter einfach in einer Plastikumhüllung stecken oder nur mit Hilfe eines bunten Schnellhefter-Streifens zusammengehalten werden. "Manche Bewerber verschicken lediglich einige zusammenhanglose Zettel oder, noch schlimmer: ein Blatt Schmierpapier, auf das sie ein paar Sätze mit der Hand schreiben", berichtet Personalfachfrau Evi Prommersberger von Saturn/Mediamarkt in Ingolstadt.

Der Umschlag

Im Bürofachhandel werden weiße Umschläge mit verstärktem Kartonrücken angeboten. Um so verwunderlicher ist es, dass fast alle Bewerber posthellbraune oder verwaltungsgraue Versandttaschen für Ihre Bewerbungen nutzen. Da eine kartonierte Rückwand dazu dient, die Mappe in unversehrtem Zustand von A nach B zu transportieren, sehen Unterlagen, die ohne Verstärkung durch die Mühlen der Post gegangen sind, schnell alt aus. Wenn die Klebefläche vertrocknet ist und daher nicht hält, wird Ihre Mappe es möglicherweise gar nicht erst auf den Schreibtisch des Personalchefs schaffen. Sie landet statt dessen bei der Clearingstelle der Post und wird Ihnen Monate später zurück geschickt. Leider dürfte es dann für eine erneute Bewerbung zu spät sein.

Prommersberger berichtet auch über weitere Gestaltungfehler der Bewerber: "Manche nutzen keine Mappe und zwängen ihre Papiere mehrmals zusammengefaltet in ein kleines Kuvert, aus dem ich sie dann mühsam herausfriemeln darf." Mit unlesbarer Handschrift auf den Umschlag zu schreiben verschlimmert den Eindruck, ebenso wie ein fehlender Absender.

Die Nutzung der Post

Natürlich handelt es sich bei Ihrer Bewerbung um ein kostbares Stück. Das ist allerdings kein Grund dafür, sämtliche Mappen per Einschreiben zu versenden. Schließlich hat kein Personalchef die Zeit den Empfang jeder einzelnen Mappe dem Postboten zu quittieren. Eine Sendung per Eilboten ist ebenfalls übertrieben, es sei denn, Sie sind aus einem wichtigen Grund spät dran und müssen auf eine solche Maßnahme unbedingt zurückgreifen.

Einen richtig schlechten Eindruck machen Sie, wenn Sie sich bei den Briefmarken verrechnen und der Empfänger Porto nachzahlen muss. In einem solchen Fall haben Sie schon vor Begutachtung Ihrer Mappe verloren. Außer Adresse, Absender und Briefmarken haben weitere Dekorationen auf dem Umschlag nichts zu suchen.

Fehler zusammengefasst

Es ist nicht egal, wie Ihre Mappe aussieht. Es ist daher ebenfalls nicht egal, in welcher Verpackung sie steckt. Mit Schnellheftern und packpapierfarbenen Umschlägen machen Sie wenig aus Ihren Unterlagen. Auch der übermäßige Einsatz von Plastik kommt heute nicht mehr gut an. Sparen sieht beim Porto ebenso schlecht aus wie Überfrankierung. Schließlich machen Sie so den Eindruck, nicht mit Geld umgehen zu können.

 

Wie die Bewerbungsmappe einen guten Eindruck macht

Ihre Mappe sollte in dem Augenblick, in dem sie aus dem Umschlag kommt, einfach umwerfend aussehen. Dann wird sie auch um zehn Uhr abends einen Personaler noch dazu bringen, sich mit dem Inhalt auseinanderzusetzen. Zu einem ersten 1A-Eindruck gehört vor allem die äußere Gestaltung, also die Verpackung.

Glücklicherweise bieten Bürofachhandel und Copyshops heute eine ganze Reihe unterschiedlicher Bindungssysteme an. Wenn Ihre Mappe mehr als fünf Seiten hat, macht eine Spiralbindung (nicht aus Plastik, sondern aus Metall) etwas her. Diese Art von Bindung hat den Vorteil, dass die Mappe beim Lesen offen auf dem Schreibtisch liegenbleibt, anstatt immer wieder zuzuklappen.

Sie können Ihr Werk auch mit Hilfe einer dünnen zweiteiligen Schiene binden lassen. Dazu wählen Sie als Unterlage einen verstärkten Rückenkarton in einer ansprechenden Farbe. Rot eignet sich beispielsweise für eine Bewerbung bei Coca Cola und Blau für eine bei Ford. Obenauf kommt eine durchsichtige Folie, die das Deckblatt schützt.

Ausnahme

Manchmal wird in einer Stellenanzeige ausdrücklich darum gebeten, keine Mappen zu benutzen ("Bitte verzichten Sie auf das Einsenden von Mappen und Plastikhüllen"). Nur in diesem Fall dürfen Sie einen Schnellhefterstreifen verwenden. Ihre Bewerbung wird dann zusammengehalten und lässt sich leicht in einem Ordner ablegen.

Die erste Seite

Um deutlich zu markieren, dass Sie Ihre Mappe individuell für dieses Unternehmen zusammengestellt haben, bietet es sich an, auf dem Deckblatt den Namen Ihres hoffentlich zukünftigen Arbeitgebers zu verewigen. Die Beschriftung könnte so aussehen:

Bewerbung als Sekretärin bei
Dr. Müller & Partner

Bewerbung bei Schmitz & Co.

Bewerbungsunterlagen
für ein Praktikum bei der Meier AG in Wolfsburg

Bewerbung als Zahnarzthelferin
Ulrike Müller
(plus evtl. Adresse)


Auf dem Deckblatt präsentieren Sie Ihr Foto. Das hat den Vorteil, dass Sie Ihr Konterfei nicht in die rechte obere Ecke des Lebenslaufs quetschen müssen. Verwenden Sie ruhig einen etwas größeren Abzug. So präsentieren Sie den möglicherweise wichtigsten Teil Ihrer Bewerbung direkt am Anfang. Ihr Foto hebt auf diese Weise auch den Gesamteindruck der Mappe.

Das setzt natürlich voraus, dass Sie ein ansprechendes Foto benutzen. Um sicherzustellen, dass Ihr Foto wirklich gewinnend aussieht, legen Sie es Ihren Freunden und Freundinnen vor. Wenn diese begeistert sind, so ist es ein gutes Zeichen.

Was kommt in die Mappe?

Nach dem Deckblatt folgt der Lebenslauf und die Zeugniskopien. Damit Ihr Schulabschluss nicht als unwichtigstes Detail zuerst kommt, empfiehlt es sich, mit dem letzten Zeugnis zu beginnen und dann chronologisch rückwärts abzuheften. Sollten Sie sich noch in der Schule befinden und daher kein Abschlusszeugnis haben, fragen Sie in der Personalabteilung des anvisierten Unternehmens nach, wie die Zeugnisfrage gehandhabt wird.

Wenn es sich bei Ihren Zeugnissen um sehr viele Kopien handelt, bietet es sich an, eine Seite mit einer Liste der Anlagen hinzuzufügen. Diese erleichtert dem Leser die Übersicht.

Sollten Sie mehr als nur Zeugnisse zu bieten haben, beispielsweise Referenzen (von wichtigen Leuten, die Ihre Arbeit schätzen) oder einen veröffentlichten Artikel, so können Sie diese ebenfalls in Kopie beiheften.


Das Papier

Je nachdem wo Sie sich bewerben, stehen Ihnen weitere Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung. Sie müssen beispielsweise für Deckblatt, Lebenslauf und Anschreiben nicht unbedingt weißes Papier benutzen. Die Farbe der verwendeten Blätter hängt davon ab, welchen Auftritt Sie planen. Allgemein spricht nichts dagegen, auf leicht getöntem Papier auszudrucken. Wenn Sie sich als Gärtner bewerben, versuchen Sie es doch einmal mit einem satten Grün, wenigstens für das Titelblatt. Wollen Sie lieber als Stewardess arbeiten, kann ein Himmelblau einen sehr exklusiven Eindruck machen! Creme- und eierschalenfarbene und leicht graue Papiere sehen klassisch aus. Probieren Sie einmal aus, Ihren Lebenslauf auf farbigem Papier auszudrucken, und vergleichen Sie! Die weiße Variante kann schnell ein wenig fad dagegen wirken.

Natürlich muss die Farbe des Papiers zum Gesamteindruck Ihrer Unterlagen passen. Das bedeutet: wenn Sie ein elegant graues Papier wählen, bietet sich dazu ein anthrazitfarbener Rückenkarton an. Sollten Sie dagegen bei weißem Papier bleiben wollen, wählen Sie für Ihre Mappe nicht ausgerechnet Schwarz, sondern lieber eine lebendige Farbe. Die Zeugnisse werden in jedem Fall auf weißes Papier kopiert.


Quintessenz

Legen Sie Ihr individuell für den angestrebten Arbeitsplatz gestaltetes Deckblatt, Ihren Lebenslauf und die Zeugnisse aufeinander. Darunter kommt eine farbige Rückenverstärkung, obenauf eine durchsichtige Folie. Beides erhalten Sie im Copyshop, wo Sie das ganze auch binden lassen. Zwar können Sie zurückgeschickte Mappen dann nicht mehr verwenden, aber schließlich sollen Sie auch nicht hunderte von Bewerbungen verschicken, sondern nur einige ganz gezielte.


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