Individuelle
Berufsfindung

Welcher Weg führt nach Rom?

Beruflicher Erfolg beginnt früh. Ob jemand etwas aus seinem Leben macht, zeichnet sich oft schon in jungen Jahren ab. DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp begann als Kfz-Lehrling, Raketenbauer Werner von Braun wusste von Kindesbeinen an, dass er sein Leben der Raumfahrt widmen würde. Und Soul-Ikone Tina Turner tingelte schon als Teenager mit Ike durch die Clubs. Wer weiß, was er will, schlägt in seiner Jugend die richtigen Pflöcke ein und bleibt konsequent bei der Sache.

Das ist natürlich Unsinn. An einem lückenlosen Lebenslauf zeigt sich allenfalls die Fähigkeit, einem ziemlich großen Durcheinander einen halbwegs logischen Sinnzusammenhang zu verleihen. Das kann nicht schaden. Doch halten Sie es mit dem Lebenslauf wie Churchill mit der Statistik: Glauben Sie nur, was Sie selbst gefälscht haben.

Aufschlussreicher in punkto beruflicher Erfolg sind die wahren Geschichten. Und die sind alles andere als glatt: Bill Gates, der nach wie vor erfolgreichste Unternehmer der Welt, hat sein Studium nach einem Semester geschmissen, und Steven Spielberg besuchte die Filmhochschule erst nach seinem Durchbruch als Regisseur.

Nicht nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, auch hierzulande finden sich solche Karrieren. Und zwar nicht zu knapp: Joschka Fischer hat keine Ausbildung und kein Studium. Marcel Reich-Ranicki brachte es ohne Uniabschluss zum Literaturpapst. Sabine Christiansen war Stewardess. Und Franz Beckenbauer ließ sich vom Fehlen der Trainerlizenz nicht wirklich irritieren. Selbst in der Old Economy schaffte es Werner Then zum Präsidenten der deutschen Managementgesellschaft. Ganz ohne Abitur, dafür mit Ausbildung zum Schuhverkäufer.

Erfolgsgeschichten lassen sich in keine Form pressen. Trotzdem warten Dutzende, nein Hunderte von Karriere-Ratgebern unermüdlich mit den selben Inhalten auf. Wider besseren Wissens verkünden "Experten" ihre vom Alltag längst überholten Botschaften: Zügig studieren, gute Noten erzielen, die richtigen Praktika machen, immer auf der Hut vor Fettnäpfchen sein und dem Chef nicht auf den Schlips treten..... Viele Bäume mussten für diesen Unsinn ihr Leben lassen.

Dazu ein Denkspiel: Stellen Sie sich vor, Sie hätten in fünf Jahren, sagen wir, eine Multimedia-Agentur aufgebaut. Der Laden läuft gut, und Sie suchen einen Assistenten, eine Assistentin. Wie müsste der oder die sein? "Sympathisch, engagiert, mit sicherem Auftreten und Berufs- und Lebenserfahrung", werden Sie jetzt vermutlich denken. Von guten Zeugnissen und stromlinienförmigen Lebensläufen können Sie sich als Arbeitgeber schließlich nicht viel kaufen. Was zählt ist, dass Sie dem Bewerber den Job zutrauen und Lust haben, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Was bedeutet das umgekehrt für Sie als jemand, der am Anfang seiner Laufbahn steht? Die wichtigsten Voraussetzungen für beruflichen Erfolg sind Selbstwertgefühl, Optimismus, Mut und Durchhaltevermögen. Man muss von seinen Ideen überzeugt sein, gut reden und andere für sich gewinnen können. Oder glauben Sie, Gerhard Schröder sei wegen guter Noten und dem richtigen Praktikum damals Kanzler geworden? Oder Joschka Fischer wegen seines lückenlosen Lebenslaufs Außenminister?

Die Voraussetzungen für Erfolg haben allesamt mit Selbstbewusstsein zu tun. Das aber wird an keiner Universität oder Fachhochschule gelehrt. Im Gegenteil! Wer erst einmal durch die Mühlen der Hochschule gegangen ist und die in der Regel unmotivierten Professoren hat über sich ergehen lassen, ist nachher frustrierter als zuvor. Selbstwertgefühl wird hier nicht gestärkt, sondern oft genug zerstört.

Das soll Sie keinesfalls davon abhalten zu studieren. Es muss Ihnen jedoch klar sein, dass ein Studium allein Sie nicht auf den Beruf vorbereitet. Die Universität bietet Ihnen Bildung. Das ist gut, doch für den Beruf muss Praxis her. Wenn Sie Eventmanager werden wollen, veranstalten Sie am besten noch in der Schule Ihre ersten Events. Wenn Sie Redenschreiberin werden wollen, schreiben Sie Reden für Geburtstage und Jubiläen im Freundeskreis. So sammeln Sie Erfahrungen und machen potenzielle Arbeitgeber auf sich aufmerksam.

Wenn Sie Motivationstrainer werden wollen, fangen Sie in Ihrer Bürgerinitiative oder im Sportverein an. Falls Sie noch nicht entsprechend engagiert sind, wird es höchste Zeit! Schließlich erwarten auch konservative Personalauswähler heute außeruniversitäres Engagement.

Und was, wenn Erfolg Ihnen gar nicht so wichtig ist? Wenn Sie einfach nur einen Beruf wollen, der Ihnen Spaß macht? Genau darum geht es hier: Erfolg bedeutet auswählen zu können. Ob Sie als Kameramann zum Film wollen oder als Marketingspezialistin in einen Konzern – wenn Sie jedes Arbeitsangebot annehmen müssen, dann werden Sie wenig Spaß an der Arbeit haben. Und umgekehrt: Wer das, was er macht, gerne macht, dem wird es auch gelingen, Arbeitgeber zu überzeugen. Spaß und Erfolg bedingen sich gegenseitig.


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