Individuelle
Berufsfindung

Suche gut bezahlten Job!

Ein eigenes Stellengesuch aufzugeben ist die kürzeste Form der Bewerbung. Anders als bei dem üblichen Ritual Stellenangebot-lesen-Bewerbungsmappe-schicken treten Sie hier als Jobsucher unaufgefordert in Aktion.

Wer in die Offensive geht und selbst ein Stellengesuch in die Zeitung setzt, signalisiert vorab bereits Leistungsbereitschaft und Motivation. Um so mehr überrascht es, dass die meisten Stellengesuche eintönig und wenig aussagekräftig sind. Das, was die Inserenten ihren potenziellen Arbeitgebern in der Zeitung anbieten, bleibt farblos und austauschbar. Die Folge: Die Anzeige löst bei den meisten Personalentscheidern eher ein Achselzucken aus als den Wunsch, mit dem Stellensucher Kontakt aufzunehmen.

Wenn Sie also nicht ausgerechnet eine Position als Graue Maus ins Auge gefasst haben, sollte Ihr Stellengesuch zwei Bedingungen erfüllen:

1. Die Überschrift muss den Leser beim Überfliegen der Seite "festhalten".
2. Der gesamte Text muss eine hohe Zahl von relevanten Informationen transportieren und damit den Leser für Sie interessieren.

Schön und gut, werden Sie jetzt sagen, aber: WIE GEHT DAS?

Anleitung in sechs Schritten: Wie entwerfe ich ein wirkungsvolles Stellengesuch?

Wer jetzt bereits Papier und Stift zu Hand genommen hat und auf die ersten Formulierungshilfen wartet, wird enttäuscht sein. Auch das Formulieren eines Stellengesuchs bedarf der Vorbereitung.


Schritt # 1: Suchen Sie ein geeignetes Medium!

Zunächst einmal gehen Sie auf die Suche nach einer geeigneten Zeitung, einem geeigneten Magazin für Ihre Anzeige. Zum Beispiel kann man als Volks- und Betriebswirt das Handelsblatt wählen, als Ingenieur die VDI-Nachrichten, als Wissenschaftler Die Zeit. Wer sich nur lokal umsehen möchte, ist bei einer der großen regionalen Zeitungen gut aufgehoben: Berliner Morgenpost, Kölner Stadtanzeiger, Stuttgarter Zeitung. Für den gesamten süddeutschen Raum ist außerdem die Süddeutsche Zeitung zuständig.

Bewerber, die auf eine bestimmte Branche festgelegt sind, inserieren am besten in einem speziellen Fachmagazin, da dort die Streuverluste geringer ausfallen. Für die Werbebranche beispielsweise gilt die Werben & Verkaufen als Pflichtlektüre, für Rechtsanwälte die Neue Juristische Wochenschrift. Wenn Sie nicht wissen, welcher Fachtitel geeignet ist, erkundigen Sie sich bei einem Fachmann oder einer Fachfrau aus der Branche.


Schritt # 2: Nehmen Sie die Anzeigen im ausgewählten Medium gründlich unter die Lupe!

Machen Sie sich nun daran, das Umfeld für Ihr künftiges Stellengesuch sorgfältig zu untersuchen. Dazu schauen Sie sich zunächst die Anzeigen anderer Jobsucher genau an. Beurteilen Sie die einzelnen Anzeigen nach folgenden Kriterien:

Was gefällt Ihnen an der Anzeige, was nicht?
Wird klar gesagt, was der Jobsucher zu bieten hat und was seine wichtigsten Qualifikationen sind?
Geht aus dem Text eindeutig hervor, was der Inserent sucht?
Werden Allgemeinplätze und Selbstverständlichkeiten vermieden?
Ist die Anzeige insgesamt wirklich aussagekräftig?

Wenn Sie diese Fragen für jede der Anzeigen kurz beantworten, haben Sie schon eine Menge über Stellengesuche gelernt. Außerdem finden Sie auf diese Weise heraus, welche Fehler Sie bei Ihrer Anzeige vermeiden müssen, um sich positiv von Ihrem Umfeld abzuheben.


Schritt # 3: Versetzen Sie sich in die Lage eines Personalleiters, der Sonntags morgens beim Frühstück die Stellengesuche überfliegt.

Nehmen Sie nun die Perspektive Ihrer Zielgruppe ein (Chefs, Personalverantwortliche, Abteilungsleiter). Dieser Personenkreis hat vor allem eins: wenig Zeit und wenig Geduld, sich mit nichtssagenden Stellengesuchen auseinanderzusetzen. Damit der Leser ausgerechnet an Ihrer Anzeige hängenbleibt, müssen Sie bei der Formulierung von Überschrift und Text diese anspruchsvolle Zielgruppe genau im Auge behalten. Prüfen Sie immer wieder: wird meine Wortwahl einen Personalentscheider dazu bringen, mit mir Kontakt aufzunehmen?


Schritt # 4: Formulieren Sie eine Überschrift

Die Überschrift ist der prominenteste Ort Ihrer Anzeige. Denken Sie daher bei der Formulierung nicht so sehr daran, was Sie suchen, sondern welche Qualifikation Sie anbieten. Nur, wenn die Überschrift das Interesse eines Personalentscheiders weckt, wird er den übrigen Text überhaupt lesen. Gehen Sie also mit Ihren neu gewonnenen Erkenntnissen aus Schritt 2 und 3 an die Formulierung einer persönlichen Werbebotschaft. Da Sie sich abheben wollen, müssen Sie spezifisch sein, zum Beispiel:

Volljuristin, Schwerpunkt Online-Recht

Soziologe, fließend Russisch

Konstruktions-ingenieur Qualitätssicherung

Unternehmensberater, MA Philosophie

Wie Sie sehen, muss es in der Überschrift gelingen, sich von anderen Inserenten abzusetzen, damit der Leser genau bei Ihrer Anzeige "hängenbleibt". Aber bitte keine unseriösen Aufschneidereien, wie Super-Nachwuchsmanager oder Voll-Profi. Solche und andere wichtigtuerische Formulierungen verhelfen Ihnen allenfalls zu einem Heiterkeitserfolg.

Stöbern Sie statt dessen in Ihrem Erfahrungshaushalt, und fördern Sie etwas zu Tage, was für Ihren potenziellen Arbeitgeber von Bedeutung ist. In jedem Fall muss die Überschrift grafisch vom Rest abgesetzt sein (Fettdruck/größerer Schriftgrad).


Schritt # 5: Formulieren Sie einen Text mit konzentriertem Informationsgehalt.

Natürlich gibt es ihn nicht, den Königsweg der Formulierung. Ihre Formulierung muss angemessen sein (sowohl dem, was Sie anbieten, als auch dem was Sie suchen), wahr und hoch-informativ. Ihr Stellengesuch wird man ähnlich wie ein Arbeitszeugnis lesen: sehr gründlich und zwischen den Zeilen. Beispiel: Wer angibt, Volkswirtschaft studiert zu haben, läuft Gefahr, für einen Studienabbrecher gehalten zu werden. Die korrekte Formulierung heißt: Diplom-Volkswirt.

Ihr Text sollte enthalten:

Ihre wichtigsten beruflichen Qualifikationen
eine präzise Angabe, was Sie suchen
Ihr Alter und Geschlecht

Für alle Angaben gilt: Seien Sie klar und verständlich, und wiederholen Sie nicht im Text, was bereits in der Überschrift steht (also nicht: Dipl.-Politologin, 27 J., weibl., mit abgeschlossenem Politikstudium). Erwähnen Sie keine Selbstverständlichkeiten wie zuverlässig oder korrekt. Sprechen Sie nicht von neuen Wirkungskreisen oder von interessanten Aufgaben. Niemand weiß, was darunter zu verstehen ist. Alle Aussagen müssen spezifisch und präzise sein. Nennen Sie Ross und Reiter! Machen Sie eine klare Angabe zu der Stellung, die Sie suchen – auch, wenn Sie für viele Berufseinstiege offen sind! Wer nicht genau weiß, was er eigentlich sucht, wird von den meisten Personalentscheidern nicht ernst genommen. Überlassen Sie es den Lesern, Ihnen möglicherweise ein berufsfremdes Angebot zu machen!

Beispiele:


Dipl.-Politologe und Freier Mitarbeiter im Hörfunk, 27 J., zahlreiche politische Reportagen, Schwerpunkt Innen- und Sicherheitspolitik, sucht Anstellung im Verlag mit politischem/soziologischem/ historischem Programm, Englisch fließend.

Pädagoge mit Praktika im Personalwesen zweier großer Unternehmen, 26 J., Schwerpunkt Weiterbildungsplanung, möchte Einstiegsposition im Personalwesen übernehmen. Englisch und Französisch fließend. In- und Ausland.

Arzt mit Kenntnissen in Betriebswirtschaft, 35, Zusatzqualifikation Krankenhaus-Management, sucht Position in der Krankenhaus-Verwaltung. Praktikum im Gesundheitsamt. Nicht ortsgebunden.

Volljurist, Online-Recht, 30 J., Wahlstation bei internationalem Anbieter von Online-Diensten, fließend Englisch, mobil, sucht Einstieg in eine Kanzlei mit Schwerpunkt EDV-Recht.

Vermeiden Sie Abkürzungen, mit Ausnahme der üblichen: w. für weiblich, m. für männlich (falls das Geschlecht nicht schon aus der Überschrift hervorgeht), J. für Jahre bei der Altersangabe, Dipl. für Diplom und MA für Magister Artium. Andere Abkürzungen machen den Text schlecht lesbar und unverständlich.

Noch ein Tip: Eigentlich ist es heute selbstverständlich, dass Arbeitslosigkeit kein Hinweis auf mangelnde Qualifikation oder fehlende Leistungsbereitschaft ist. Trotzdem sollten Sie den Ausdruck arbeitslos in Ihrem Stellengesuch vermeiden. Wenn man Sie bei der Kontaktaufnahme danach fragt, geben Sie an, dass Sie sich weiterbilden, freiberuflich tätig sind oder ähnliches. Ebenso sollten Sie Angaben wie suche dringend oder zum baldmöglichsten Termin vermeiden. Sie wollen doch nicht von vornherein Probleme bei der Arbeitsplatzsuche signalisieren.

Die Anzeige schließt mit der Angabe Ihrer Telefonnumer oder Email.


Schritt # 6: Zum Schluss

Ein eigenes Stellengesuch lässt sich nicht in zwanzig Minuten texten. Planen Sie lieber einen ganzen Nachmittag dafür ein. Lassen Sie den Entwurf über Nacht liegen, und sehen Sie ihn am nächsten Morgen an. Hält er Ihrem kritischen Blick stand? Dann legen Sie Ihre Anzeige noch einmal einer von Ihnen ausgewählten Personalkommission zur Beurteilung vor.

Wenn Ihnen diese Prozedur zu anstrengend ist, können Sie sich auch an einen professionellen Karriereberater oder an das Arbeitsamt wenden. Hier stehen Ihnen erfahrene Fachkräfte mit Rat und Tat zur Seite. In manchen Fällen übernimmt das Arbeitsamt sogar die Kosten für eine solche Anzeige.

Sobald Ihre Eigen-Anzeige erscheint, sollten Sie Ihre Unterlagen (Lebenslauf, Zeugniskopien etc.) bereithalten. So können Sie auf die hoffentlich zahlreich eingehenden Angebote schnell reagieren.


< zurück

© 1997-2011 uta glaubitz startseite|kontakt|sitemap|impressum