Individuelle
Berufsfindung

Stuttgarter Zeitung (28.4.01)

Die Lust auf Jobs rund um das Buch

Manche Bücherwürmer wollen ihre Leidenschaft zu ihrem Beruf machen und suchen einen Job in einem Verlag, im Buchhandel oder in einer Bibliothek. Andere wollen selbst schreiben, Werke übersetzen oder sehen sich gleich als Verleger. Die Palette der Ausbildungswege, erst recht aber der Tätigkeitsgebiete in dieser Branche ist vielseitig. Zwar stagniert der Markt, doch das Buch behauptet seinen Platz. „Wer nimmt schon gerne einen Computer an den Strand oder in die Küche?", sagt Gerhard Kebbel, Programmleiter des Falken Verlags: „Richtig ist, dass das Buch durch andere Medien ergänzt wird.“

Um in der Buchbranche Karriere zu machen, brauche man „nicht unbedingt ein hoch begabtes Schriftstellertalent oder ein Vielschreiber sein", schreibt Uta Glaubitz in ihrem Buch. Wichtig sei „das Wissen um die Mechanismen des Marktes und das Gefühl für die Bedürfnisse des Kunden, sprich des Lesers“. Sie wirft nicht nur einen Blick auf die bekannten Jobs der Branche wie etwa Verlagskaufmann, Buchhändler, Buchbinder oder Lektor. Vorgestellt werden auch die vielen anderen Betätigungsfelder: im Verlag (zum Beispiel als Lehrbuch- oder Kochbuchredakteur oder die Werbeabteilung), um die Verlage und Autoren herum (vom Literaturagenten über den Hörbuchsprecher und Buchillustrator bis zum Ghostwriter) und in den Medien (der Feuilleton- und der Onlineredakteur oder der Buchbestsellerermittler). Insider kommen zu Wort, und zu den Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten gibt es Tipps und Adressen.


Bildung, Kultur, Sozialwesen (7/01)

Was für eine schöne Vorstellung: seiner Lieblingsbeschäftigung frönend – nämlich Lesen – den Berufsalltag gestalten. Uta Glaubitz hat in ihrem neuen Ratgeber „Jobs für Bücherwürmer und Leseratten“ diesmal die Fraktion der Leser aus Leidenschaft ins Visier genommen. Die Berufsberaterin, selbst von Haus aus Geisteswissenschaftlerin, möchte Bücherfreunden Mut machen, sich gegen Einwände von innen und außen ernsthaft mit der eigenen Neigung auseinanderzusetzen. Die Strategie der Festlegung auf ein bestimmtes Berufsziel ist nach Auffassung von Uta Glaubitz („Der Job, der zu mir passt“, 1999 und 2003) der richtige und sichere Weg, den Einstieg in den Traumjob zu erlangen. Offenbar in Kenntnis der Selbstzweifel und der Wankelmütigkeit der Adressaten dieses Ratgebers, rät die Autorin zur Bildung von Unterstützungskomitees, die dem Jobsuchenden behilflich sind, seine gesteckten Zielvorgaben auch einzuhalten.

In Reportagen und Interviews stellt die Autorin eine Fülle von Berufen rund um die Produktion, den Verlag und die Vermarktung von Büchern vor. Neben so bekannten Berufen wie Krimiautor, Redakteur, Lektor, Kritiker oder Übersetzer findet der Jobsuchende Bibliophile auch so exotische Berufe wie Buchbestsellerermittler, Veranstalter von Literarischen Salons oder Miniaturbuchhändler. Als prominentestes Beispiel gibt Hellmuth Karasek in einem Interview Auskunft über seine Tätigkeit als Fernsehkritiker.

Angereichert werden die Berufsporträts durch Infoboxen, in denen der Leser Hinweise zu Interessenverbänden, Ausbildungswegen, Kontakten und Literatur findet. Derjenige, der hier konkrete Hinweise für einen Einstieg in die jeweilige Branche erhofft, wird zum Teil allerdings enttäuscht sein, denn so manches Interview stellt weniger den Beruf als die Persönlichkeit des Berufsvertreters vor und der Inhalt der Infoboxen ist leider auch nicht gleichbleibend informativ. Ganz im Vertrauen auf die Findigkeit der Zielgruppe werden in diesem Ratgeber in erster Linie Anregungen und Anstöße zur weiteren Bearbeitung gegeben. Die gut strukturierte Form und die flotte Schreibe der Autorin machen das Buch angenehm lesbar und damit wohltuend anders als so manchen anderen Ratgeber.

Nützlich zum Ausloten der eigenen Motivation ist der an den Reportageteil angeschlossene Berufsfindungsworkshop. Ernsthaft Interessierte können sich damit einen Fahrplan erstellen, wie sie den ewig knurrenden „inneren Schweinehund“ überwinden können, wie man erfolgreich Kontakte knüpfen oder sich telefonisch bewerben kann. Für diejenigen, die nach dem Studium nicht viel mehr wissen, als dass sie „irgendetwas mit Büchern“ machen wollen , ist „Jobs für Bücherwürmer und Leseratten" insgesamt ein gelungener Überblick über die Buchwelt, eine Ideensammlung, die dazu beitragen kann, aus diffusen Vorstellungen konkrete Berufswünsche zu machen.



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