Individuelle
Berufsfindung

Audimax. (06/01)

» Was hätte aus mir werden können, wären nicht Milliarden Gehirnzellen mit Fußballergebnissen blockiert!«
Christian Eichler, Sportredakteur FAZ

BERUFE IN DER SPORT-BRANCHE

Manche Menschen wünschen sich, wenigstens einmal Schiri zu sein bei einem Spiel der Nationalelf. Wären lieber Laufbahnberater als Lebensberater. Sind so leidenschaftlich bei einem Eishockeyspiel, wie sie es am Arbeitsplatz nie sein werden. Also stellt sich die Frage: Warum die Passion Sport nicht zum Beruf machen? Wie das geht, verrät Uta Glaubitz in ihrem Buch »Jobs für Sportfreaks«. Und hier.


? Was war der Anlass, ein Buch speziell über Sportberufe zu schreiben?

! Für viele ist Sport die schönste Nebensache der Welt. Und häufig eben auch motivierender und aufregender als Bilanzierung, mittelhochdeutsche Grammatik oder die Grundsätze der Thermodynamik. Da liegt es doch nahe zu fragen: Wie kann man aus dem Sport einen Beruf machen?


? Für wen eignet sich dieses Buch?

! Das Buch ist für Leute, die gern Sport treiben, sich viel Sport anschauen oder die sich leicht von der Atmosphäre bei Sportereignissen wie Olympischen Spielen oder Fußballweltmeisterschaften anstecken lassen. Dabei ist es ganz egal, ob jemand Jura oder Musikethnologie studiert. Typischerweise werden die Bücher von Leuten gelesen, die irgendwie in ein Studium reingerutscht sind, aber ihre Zeit eigentlich lieber auf Fußballplatz oder Tenniscourt, im Fitness- oder Tanzstudio verbringen. Oder wenigstens Bundesliga-schauend auf dem Sofa.


? Warum gehen Sie davon aus, dass Menschen Angst davor haben, ihr Hobby zum Beruf zu machen? Herrscht da nicht eher besonderer Ehrgeiz, ähnlich wie bei Leuten, die z. B. Schauspieler werden wollen?

! Wenn kleine Kinder zum ersten Mai einen Berufswunsch äußern, beispielsweise »Ich werde mal Astronaut« oder »Ich werde mal Ballett-Tänzerin« - Was bekommen sie dann zu hören? »Du spinnst, »Das ist kein richtiger Beruf, »Damit kann man kein Geld verdienen«. Kein Wunder also, dass die meisten Leute ziemlich blockiert sind, wenn es darum geht, vernünftig über eigene Berufswünsche nachzudenken. Was die Eltern nicht kaputt gekriegt haben, schafft dann spätestens das Arbeitsamt.


? Muss man besonders sportlich sein, um in der Sportbranche Fuß zu fassen?

! Kommt natürlich auf den Beruf an. Ein Spielerberater muss nicht selbst sportlich sein, er sollte sich aber in der Welt des Sportlers auskennen und natürlich eine Affinität zum Sport haben. Dasselbe gilt für Sportmodelsvermittler, Sportfotografen, Wellness-Redakteure, Laufbahnberater, Physiotherapeuten im Hochleistungssport, Stadion-TV-Moderatoren, Sportrechtevermarkter und Talentscouts. Für einige Berufe sollte man aber auch selbst sportlich sein, zum Beispiel als Tanzlehrerin, Abenteuerreiseleiter, Personal Trainer oder Stuntman.


? Haben auch Quereinsteiger Chancen in der Sportbranche? Wie sind die Karriereaussichten?

! Quereinsteiger haben außer im Leistungssport gute Chancen. Werner Hansch, der profilierteste deutsche Fußballreporter beispielsweise, hat erst mit 40 beim Radio angefangen. Und der Survivaltrainer Rüdiger Nehberg war früher Konditor. Ob man aber Tennisstar oder Basketballer wird, das entscheidet man in einem Alter, in dem man noch keine Berufsberatungsbücher liest. Daher habe ich solche Leute nur am Rande vorgestellt.


? Sie bieten Workshops zu dem Thema »Berufsfindung« an. Was sagen sie einem Menschen, der vielleicht schon verschiedene Jobs erfolglos ausprobiert hat und einfach nicht weiß, welcher Beruf zu ihm passt?

! Die meisten Leute, die zu mir kommen, haben schon ziemlich viel ausprobiert. Allerdings nie etwas was sie wirklich wollten. Eher was die Eltern empfohlen haben, was die beste Freundin auch machte, oder wo sich gerade die Gelegenheit ergab. Denen kann man nur raten: sofort mit dem Wurschteln aufhören! Finden Sie heraus, was Ihnen Spaß macht, was Sie motiviert und was Sie morgens aus dem Bett treibt, auch wenn Sie eigentlich hundemüde sind. Dann überlegen Sie sich, was das wohl für Ihren zukünftigen Beruf bedeuten könnte. Und dann schießen Sie Ihre Ja-Aber-Freunde und sonstige Möchtegern-Berufsberater zum Mond.


? Ich will Sportmanager werden. Was muss ich tun?

! Jedes berufliche Projekt beginnt mit einer groß angelegten Recherche. Also: Welche Sportmanager und Agenturen bewegen sich auf dem Markt und was bieten die an? Wer ist erfolgreich und wer nicht? Welche Projekte planen die Erfolgreichen für die Zukunft? Und wie könnte ich mich da einbringen? Recherchieren kann man in Bibliotheken, Branchenverzeichnissen, im Internet, in Pressemappen, durch Besuch von Veranstaltungen, wie Sportevents, einem Tag der offenen Tür oder von Messeständen. Am besten ist, man veranstaltet gleich selbst etwas: ein Basketball- oder Boxtraining mit schwer erziehbaren Jugendlichen. Oder einen Action-Day bei den Germanisten ...Wer das schafft, hat wirklich das Zeug zum Sportmanager.

Das Interview führte Vanessa Hartmann



Berliner Morgenpost.
(25.3.01)
Immer recht sportlich

Uta Glaubitz:
„Jobs für Sportfreaks - Machen Sie Ihr Hobby zum Beruf“

Manchmal liegt das Gute so nah, und man erkennt es nicht. Wer mit einer Tätigkeit rund um Sport und Bewegung sein Geld verdienen möchte, hat viele Möglichkeiten, nicht nur als Fußball-Profi oder Trainer. Sport ist ein milliardenschweres, Geschäft, von dem viele profitieren – vom Talent-Scout über den Entwickler von Sportlernahrung, den Outdoorguide, den Sportmodel-Vermittler bis zum Rasenmanager im Stadion. Gut lesbar und mit vielen Beispielen stellt Autorin Glaubitz zahlreiche Berufe vor und liefert zu jedem die kompakte Praxis- und Info-Box mit hilfreichen Tipps und wichtigen Ansprechpartnern. In der gleichen Aufmachung: „Jobs für Bücherwürmer und Leseratten“ sowie „Jobs für Kommunikationstalente und Quasselstrippen“.


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