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Berliner Zeitung (6./7.2.99)
Berufliche Neuorientierung
als Zündstoff für die Karriere
Das Nachdenken über den Traumjob bringt neue Motivation
Wenn man bloß noch sehnsüchtig ans Wochenende denkt oder sich von Urlaub zu Urlaub quält, dann ist es an der Zeit, den Job zu wechseln. Manchmal reicht schon ein neuer Arbeitsplatz mit netteren Kollegen, doch bricht nicht selten gerade bei Berufseinsteigern nach den ersten Erfahrungen die Sinnkrise aus: Habe ich mir den richtigen Beruf ausgesucht? Jede dritte Ausbildung und jedes dritte Studium enden ohne Abschluß. Doch auch Berufserfahrene mit langjähriger Praxis sind vor solchen Zweifeln und dem Wunsch nach einer anderen Tätigkeit nicht gefeit.
Umdenken lohnt sich, sagt die Berliner Philosophin und Karriereberaterin Uta Glaubitz. Denn interessante Positionen lassen sich nur mit Engagement und Ideen erkämpfen. Glaubitz, die auch Workshops zur individuellen Berufsfindung veranstaltet, rät, sich zunächst unabhängig von Arbeitsmarkt, Einkommen oder Prestige auf die Suche nach den innersten Wünschen und Fähigkeiten zu begeben. „An erster Stelle steht die Frage: Was kann ich?“, sagt Glaubitz. Hier ist Rückschau gefragt, Erinnerung an Leistungen, auf die man besonders stolz war, an Schwierigkeiten, die man gut gemeistert hat. Das können ebenso Erlebnisse aus der Schulzeit wie aus der aktuellen Freizeit sein.
Daran schließt sich die Frage an: Was will ich? Wichtig sei, eine Motivation zu finden, die einen morgens aus dem Bett treibt, sagt Glaubitz. Um die Phantasie bei der Suche nach dem eigentlichen inneren Antrieb so richtig in Schwung zu bringen, schlägt Glaubitz vor, zu überlegen, „was ich tun würde, wenn ich nicht scheitern könnte“. Meistens, so die Beraterin, führen solche Fragen zum Kern der Leidenschaft.
Der nächste Schritt, nämlich die eigenen Wünsche mit möglicher Berufsausübung in Verbindung zu bringen, stellt vor allem Schulabgänger vor Probleme, weil viele noch keine Vorstellung von der Berufswelt entwickeln konnten. Oft stellt sich in der Ausbildung heraus, daß die Liebe zum Auto oder die Freude an Jugendarbeit nicht für den gewählten Beruf als Kfz-Mechaniker oder Erzieherin ausreicht, etwa, weil es an Kundenorientierung oder an physischer Ausdauer fehlt. Da hilft nur, sich möglichst genau zu informieren und sich über die eigenen Schlüsselqualifikationen klar zu werden: Kommuniziere ich gerne? Bin ich eher der geduldige, ausdauernde Bastlertyp oder neige ich zu Pragmatismus und schnellen Ergebnissen?
Dagegen kennen Hochschulabsolventen oder Umsteiger mit Berufserfahrung meist schon ihre Vorlieben und Schwächen, wissen, ob sie gerne im Team arbeiten und ob ihnen der Umgang mit Kunden liegt. Allerdings kann nicht jeder einfach eine zweite Ausbildung beginnen. Doch lassen sich oftmals Kompromißlösungen finden. Sei es, daß computerbegeisterte Juristen sich auf Internet-Recht spezialisieren oder daß aus Linguisten Sprachtherapeuten werden.
Die letzte Etappe auf dem Weg zum Traumjob ist die schwierigste. Es gilt, Informationen zu sammeln, Kontakte zu knüpfen, Zusatzqualifikationen zu erwerben, Bewerbungen zu verschicken oder Geld, Partner und Mut für eine Existenzgründung zu finden. Rückschläge bleiben nicht aus, Gespräche laufen schief, Aufträge können platzen. „Lernen Sie daraus“, sagt Glaubitz. Eine Regel, die sich sicher leichter beachten läßt, wenn am Ende des Weges tatsächlich ein selbstgestecktes Ziel steht.
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