Individuelle
Berufsfindung

Leseprobe - Der Job, der zu mir passt


Wenig begeistert erzählt Franka von ihrem Werdegang: Ursprünglich hatte sie Sport und Spanisch studiert und einen Zusatzkurs Deutsch als Fremdsprache belegt. Zur Finanzierung arbeitete sie als Sekretärin in einer Kunststoff-Firma. Dort kam sie gut zurecht, übernahm immer mehr Aufgaben und warf irgendwann ihr Studium über den Haufen - auch, weil ihr die Zukunft als Sportlehrerin zu unsicher schien. Franka bekam ihre erste feste Stelle als Assistentin der Vertriebsleitung. Sie blieb hängen und arbeitet nun seit fünf Jahren dort, obwohl sie eigentlich nie ins Büro wollte.

Je länger Franka erzählt, umso deutlicher wird, wie wenig sie sich für die Firma und die Kunststoffe interessiert. Nichts davon bedeutet ihr wirklich etwas. Seit Jahren geht sie morgens schlecht gelaunt zur Arbeit, trifft dort auf schlecht gelaunte Kollegen und schaut von morgens bis nachmittags auf die Uhr. Obwohl sie ganz gut verdient, hat sie das Gefühl, ihre Arbeit würde kaum honoriert. Trotzdem raten ihr Eltern, Freunde und Verwandte, auf keinen Fall zu kündigen. Schließlich könne man heute froh sein, überhaupt etwas zu haben.

Doch damit will sich Franka nicht zufrieden geben. Das kann doch nicht alles gewesen sein, ist sie überzeugt. Viel lieber würde sie etwas mit Sprachen, Sport und Bewegung machen. Leider hat sie keine Ahnung, was.

Franka erzählt weiter: Sie ist aktive Leichtathletin, verfolgt alle wichtigen Wettkämpfe und nimmt sich sogar Urlaub, um Olympische Spiele und Weltmeisterschaften im Fernsehen zu schauen. Vor ein paar Jahren flog sie zu den Olympischen Spielen nach Sydney und reiste danach vier Wochen durch Australien. Während sie davon erzählt, leuchten ihre Augen. Im abgebrochenen Sportstudium hatte sie außerdem mit viel Motivation eine Hausarbeit zur Geschichte der Olympischen Spiele der Neuzeit geschrieben.

Ein Seminarteilnehmer macht einen Vorschlag: „Warum bewirbst Du Dich nicht bei einem Reiseveranstalter, der sich auf Sportreisen spezialisiert hat? Da kannst Du Touren machen zu den Olympischen Spielen, zur Fußballweltmeisterschaft, zum New York-Marathon oder zum Großen Preis von Monaco, und auch noch Geld damit verdienen.“ Eine andere Teilnehmerin ergänzt: „Vielleicht fängst Du als Tourbegleiterin an, da kannst Du Deine Fremdsprachkenntnisse einsetzen. Später machst Du eine eigene Agentur auf, da helfen Dir die Büroerfahrungen und Organisationstalent.“


Was tun, wenn man nicht weiß, was man werden will?

Die meisten Menschen haben ziemlich verschwommene Vorstellungen davon, wie man seinen Traumberuf ermitteln könnte. Viele hoffen darauf, dass eine innere Stimme sich irgendwann meldet und Auskunft darüber gibt. Schließlich kommt Beruf von Berufung.

Und solche Leute existieren auch: Manche wissen bereits mit vierzehn, dass sie Ärztin, Schneiderin oder Physikprofessor werden wollen. Sie stellen jedoch eine Minderheit dar. Die restlichen schätzungsweise neunzig Prozent warten jahrelang darauf, dass ihnen die zündende Idee kommt. Oft ohne Ergebnis.

Vielleicht gehören auch Sie zu dieser Mehrheit, die sich Orientierung wünscht, aber von außen wenig Hilfe erhält. Schule und Berufsberatung gaben Ihnen vermutlich nur allgemeine Hinweise zur Entwicklung am Arbeitsmarkt. Ihre Eltern empfahlen entweder den eigenen Beruf oder einen Beruf, den sie selbst gern gemacht hätten. Mit den Interessen von Sohn oder Tochter hatte das allerdings wenig zu tun.

Ein berufliches Ziel zu finden ist in erster Linie eine Frage der Strategie. Doch welche Strategie ist die richtige? Die meisten Berufssuchenden machen vor allem einen Fehler: Sie setzen nicht die falsche, sondern überhaupt keine Strategie ein, und verharren stattdessen in Unentschlossenheit - fast so wie das Kaninchen vor der Schlange, das denkt: „Eine falsche Bewegung, und ich bin tot!“

Dabei kann man durch Denkübungen seinen eigenen, ganz persönlichen Motivationen und Wünschen auf die Spur kommen. Aus diesen Interessen lassen sich dann passende Berufsfelder ableiten. Wie das genau funktioniert, das zeigt Ihnen dieses Buch.


Auf der Suche nach echten Motivationen

Der Job, der zu mir passt beschäftigt sich nicht damit, ob Sie nun als Zahntechniker, Unternehmensberater oder Lehrerin die besseren Berufsaussichten haben. Stattdessen setzen wir bei der Frage an: Was wollen Sie eigentlich wirklich? Und was treibt Sie morgens aus dem Bett?

Wünsche, Interessen und Motivationen, die wir in Ihrer Biografie suchen, sind Grundlage der Individuellen Berufsfindung. So werden Bereiche erschlossen, in denen Sie bereits von sich aus motiviert und engagiert sind. Dort können Sie leicht Energie aufbringen – für gute Leistungen und um andere von sich zu überzeugen.

Gerade wenn die Situation auf dem Arbeitsmarkt schwierig wird, sollte man sich nicht ziellos bewerben. Daher bedeutet Individuelle Berufsfindung zweierlei:

1.das eigene Ziel zu finden und festzulegen

2.dieses Ziel dann Schritt für Schritt in die Tat umzusetzen.

Wer ein Ziel gefunden hat, das ihn wirklich motiviert, findet auch Mittel und Wege dorthin. Trotzdem erschrecken viele Berufssuchende, wenn sie zum ersten Mal eine Vorstellung von ihrem Traumberuf haben.

Ein Beispiel: Lotte wollte eigentlich zur See fahren. Ihr Traumberuf war Kapitän. Wegen ihrer schlechten Augen kam das jedoch nicht in Frage. Aus ihrem Wunsch, zur See zu fahren, ihrem zusätzlichen Interesse an Biologie und dem Plan, nach dem Abitur ein Jahr nach Finnland zu gehen, entwickelte sie im Workshop Individuelle Berufsfindung folgendes Ziel: „Ich will Direktorin des Instituts für Meeresbiologie der Stadt Helsinki werden“. Natürlich bekam sie zunächst einen Riesenschreck und Angst, dieses Ziel nie erreichen zu können. Daher wurde im Seminar ein Plan entwickelt, der das große Ziel in kleine Schritte unterteilt.

Zunächst geht Lotte nach Finnland und bewirbt sich über einen persönlichen Kontakt um einen Aushilfsjob am Institut für Meeresbiologie. Mit ihren neu erlernten Finnischkenntnissen wendet sie sich später an den Direktor: „Seit sechs Monaten arbeite ich in Ihrem Institut. Ich gehe jetzt zurück nach Deutschland, um Meeresbiologie zu studieren. In den nächsten Semesterferien komme ich wieder nach Helsinki und möchte dann bei Ihnen ein Praktikum machen.“ Während ihres Studiums wird Lotte zwei bis drei weitere Praktika am Institut für Meeresbiologie absolvieren. Dann wird sie sich wieder an den Direktor wenden: „Ich möchte jetzt meine Diplomarbeit in Zusammenarbeit mit Ihrem Institut schreiben.“ Auf diese Weise schafft sie die besten Voraussetzungen dafür, später einmal eine Stelle am Institut für Meeresbiologie der Stadt Helsinki zu bekommen.

Solche überschaubaren Schritte lassen sich für jedes berufliche Ziel finden. Erfolg oder Nicht-Erfolg von Berufsprojekten hängt fast immer davon ab, ob der Berufssuchende die ersten Schritte geht oder nicht. Erfolg oder Nicht-Erfolg hängt dagegen fast nie davon ab, ob man letztendlich ausreichend Kapital, gute Noten oder überdurchschnittliches Talent hatte.


Über dieses Buch

In den Seminaren zur Individuellen Berufsfindung entwickeln die Teilnehmer und Teilnehmerinnen neue Ziele und Wege, anstatt geduldig den Ausführungen eines Referenten zu lauschen. Daher werden die Seminare auch als Workshops, als Werkstätten, bezeichnet. Dort werden Berufsfelder entwickelt, die zu eigenen Fähigkeiten und Motivationen passen. Schließlich gibt die eigene Persönlichkeit die richtigen Hinweise auf den passenden Beruf - nicht Tests, Gurus oder Psychotricks.

Der erste Teil dieses Buchs besteht aus einer Einführung. Im Anschluss daran werden sieben häufig gestellte Fragen beantwortet, beispielsweise, für wen sich die Strategie der Individuellen Berufsfindung überhaupt eignet oder wer einem hilft, wenn man nicht weiterkommt.

Der zweite Teil ist ein Do-it-yourself-Workshop mit einer praktischen Anleitung und Denkübungen, die helfen, Ihre Wünsche und Ziele präzise zu formulieren. Danach wird geklärt, wie Sie Ihr neu formuliertes Ziel in die Tat umsetzen und einen Arbeitsplatz finden können.

Der dritte Teil des Buchs beschäftigt sich mit einigen zusätzlichen Fragen: Wie man sich selbst während der Berufsfindung bei der Stange hält oder wie man sich als Experte für ein bestimmtes Thema profilieren kann. Ob das klappt oder nicht, ist eine Frage der richtigen Strategie.

Sämtliche Beispiele wurden von Berufstätigen und Arbeitslosen, von Schülern und Studenten im Workshop Individuelle Berufsfindung erarbeitet. Sie zeigen, wie andere vor Ihnen bestimmte Fragen gelöst haben und illustrieren damit die einzelnen Schritte des Workshops: Was kann ich? Was will ich? Und wo gibt es einen Beruf, der dazu passt?


Sie können das Buch hier bestellen oder im Buchhandel kaufen.
(ISBN 3-593-37219-3, Campus Verlag)

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