Individuelle
Berufsfindung

Leseprobe - Jobs für Filmfreaks

Lieber arbeiten als sich langweilen
Gustave Flaubert

Wenn ich so viel Erfolg hatte, dann nur, weil ich nie auf die Leute gehört habe, die dauernd sagten, was ich machen muss, um Erfolg zu haben.
Jack Nicholson, Hollywoodstar

When I'm good
I'm very good.
When I'm bad
I'm better.
Mae West.

Beim Film Geld verdienen

Lassen Sie keine Sneak Preview aus? Gehören Sie zu den Kinobesuchern, die beim Abspann sitzen bleiben? Schmuggeln Sie sich bei Filmfestivals in die Pressekonferenzen mit den Regisseuren? Schlägt Ihr Herz höher, wenn irgendwo an einer Straßenecke das gleißende Licht von Filmscheinwerfern leuchtet? Dann sollten Sie vielleicht allmählich damit aufhören, vom Film nur zu träumen, sondern darüber nachdenken, wie Sie aus Ihrer Kinobegeisterung einen Beruf machen.

Auf der Leinwand begegnen den Zuschauern vor allem die Stars, in den Kinomagazinen lesen wir über die kreativen Pläne der Regisseure. Es gibt aber sehr viel mehr Karrieren beim Film, allein in diesem Buch sind über 80 Ideen für Berufe versammelt, eine Liste, die noch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

So gut wie alle Filmjobs spielen sich hinter der Kamera ab, manche nicht einmal direkt bei der Filmherstellung. Denken Sie nur an die Filmvorführer, die dafür sorgen, dass auf den 4.783 Kinoleinwänden in Deutschland sieben Tage die Woche ein Lichtspiel nach dem anderen störungsfrei abläuft. Filmrestauratoren sorgen dafür, dass die Klassiker der Filmkunst in möglichst ursprünglicher Form für das Publikum erhalten bleiben. Marketingstrategen bei den Verleihgesellschaften feuern eine Breitseite aus Pressemitteilungen, Trailern und Starauftritten auf die Öffentlichkeit ab, um ihre Filme bekannt zu machen.

Kein Job wie jeder andere

Die Menschen, denen Sie auf den folgenden Seiten begegnen, haben alle etwas gemeinsam: die Liebe zum Film. Ganz egal, in welchem Beruf sie arbeiten, sie mögen, was sie tun, und tragen jeder für sich alles dazu bei, aus einem Film einen Erfolg zu machen. Gleichgültig gegenüber seiner Arbeit ist hier niemand. Das zeigt sich schon im Arbeitsrhythmus: 16-Stunden-Tage während der heißen Phase eines Films sind keine Ausnahme, dann wieder warten die vielfach als Freelancer eingesetzten Filmleute vielleicht ein paar Wochen auf den nächsten Job.

Filme machen ist Teamarbeit. Die Teams werden oft immer wieder aus den gleichen Leuten gebildet, die schon einmal gut zusammengearbeitet haben. Dabei fällt auf: Beleuchter oder Kulissenmaler nehmen die optimale Gestaltung des Hintergrunds genauso ernst wie Schauspieler die Emotionen ihrer Figur und Drehbuchautoren den ausgefeilten Dialog. Kameraassistenten schleppen Stative mit dem gleichen Einsatz über den Set, wie Dokumentarfilmer ihren Themen nachspüren.

Die Filmbranche ist eine Praktikerbranche. Das bietet Quereinsteigern jeden (fast jeden) Alters gute Chancen – es bedeutet, von erfahrenen Praktikern angeleitet zu werden, ohne vorher eine Schule besucht zu haben. Allerdings bedeutet es auch, sich auf eine Zeit von Praktika und Assistenzen einzustellen, bei denen man auf Anweisung eine Menge langweiliger und langwieriger Arbeiten übernimmt.

Ob Sie bereits in einem anderen Beruf arbeiten oder als Berufsanfänger den Weg in die Filmbranche suchen: Sie werden es viel einfacher als in anderen Berufszweigen finden, Tipps für den Einstieg zu bekommen. Denn mit jedem, den Sie auf das Thema ansprechen, teilen Sie ja bereits Ihre Leidenschaft für den Film.

Berufschancen für Filmfreaks

Lesen Sie den Abspann eines Films sorgfältig – dann haben Sie eine Reihe von Berufen, die das Vergnügen Film in Ihr Leben bringen. Dolly Grip zum Beispiel, Filmplastiker, Produktionsleiter. Neben kreativen Höchstleistungen gibt es beim Film ganz normale Berufe, Handwerk eben.

Handwerker, wenn auch ganz besondere, finden sich zum Beispiel im Art Department, im Bereich Gestaltung. Maler mit filmspezifischer Zusatzausbildung zaubern mit dem Pinsel ein elegantes Parkett auf nackte Betonfußböden. Maurer und Stukkateure verzieren in kürzester Zeit jede langweilige moderne Fassade mit Jugendstilornamenten oder trimmen Neubauten optisch auf "abbruchreif". Kulissenmaler betrügen das Auge des Zuschauers in unzähligen Western mit weiten Ausblicken über die texanische Wüste oder die bewaldeten Hänge von Montana. Kostümbildner und Schneider schwelgen für Historienschinken in fließenden Stoffen und weichen Farbnuancen.

Stoffe, Kulissen, Fassaden, Filmtechnik, Material, Geräte und die Stars – Filme kosten Geld, viel Geld. Zu Pearl Harbor, bis auf Weiteres der teuerste Film aller Zeiten, geistern für die Herstellungskosten Summen zwischen 275 und 300 Millionen US-Dollar durch die Medien. Der Produzent mit all seinen Helfern von der Sekretärin bis zum Executive Producer organisiert nicht nur die Projektentwicklung von der Idee übers Drehbuch und die Suche nach geeigneten Drehorten bis zum fertigen Film, er treibt auch die Finanzierung für den Film auf. Sein Produktionsleiter schreibt die Verträge für das Team, von der Kamera bis zum Kabelhelfer, und bezahlt die Rechnungen für Requisiten, Theaterschminke und Kameramiete.

Dauert es sechs bis acht Wochen, um einen durchschnittlichen Spielfilm zu drehen, kann es noch einmal ein paar Monate dauern, bis die Postproduction aus dem Puzzle von Einstellungen, Bildern, Geräuschen und Dialogen das gebastelt hat, was der Zuschauer im Kino als Unterhaltung oder Kunst oder beides ansieht. Besonders am Klangbild können bis zu fünf Spezialisten feilen: Ton-Cutter, Sound-Mixer, Musik-Aufnahmeleiter, Sounddesigner, Komponisten. Vieles in der Postproduction wird heute schon digital auf dem Computer bearbeitet – ebenso viele Special Effects, die Computerfreaks die Chance bieten, ihre Fantasie mit ihren Programmkenntnissen zu verbinden.

Bevor schließlich der Gong erklingt, der Vorhang sich öffnet und die ersten Bilder die Zuschauer in Bann schlagen, haben Serviceagenturen rauschende Premierenfeiern arrangiert, Presseagenten die Stars zu Fernsehauftritten begleitet, Verleihfirmen Kinosäle gebucht, Vorführer die Rollen zusammengeklebt und in den Projektor gelegt, Filmkritiker die Pressevorführung besucht und ihr Votum abgegeben. Jeder Filmfan wäre gern Steven Spielberg. Oder Wim Wenders. Oder Tom Tykwer. Doch Glamour und den öffentlichen Ruhm beiseite gelassen: die Filmbranche bietet viele Chancen – für kühle Rechner, geschickte Hände, ideenreiche Kommunikationstalente, Organisations- und Ordnungsfreaks oder technische Genies.

Filmfreaks beim Fernsehen?

Seitdem Wim Wenders beim Drehen des Dokumentarfilmhits Buena Vista Social Club die Vorteile eines kleinen Teams und der Videokamera entdeckt hat, und das auch öffentlich kundtut, stehen eingefleischte Kinofreaks dem Fernsehen nicht mehr ganz so skeptisch gegenüber.

Ja, 35 mm-Film ist brillanter, ja, Filmkameras haben eine größere Tiefenschärfe und können mit extremeren Lichtverhältnissen zurecht kommen – aber den 94 Kinostarts von deutschen Spielfilm- und Dokumentarproduktionen im Jahr 2000 standen 365 Tage mal 24 Stunden Programm in über 30 deutschen Fernsehsendern gegenüber. Die wollen erst einmal gefüllt sein, mit TV-Movies und Serien, mit Tierfilmen, Game-Shows, kurzen Dokumentarberichten, Nachrichtenprogrammen und Kindersendungen. Rund 85.000 Menschen, vom Controller und Videotechniker bis zum Gagschreiber und Schauspieler leben inzwischen von externen Fernsehproduktionen.

Warum also nicht Trickkamera für die Sendung mit der Maus machen, statt Michael Ballhaus nachzueifern, wenn sich die Chance bietet? Warum nicht beim WDR als Praktikant im Schneideraum einsteigen, bevor man endlos auf eine Schnittassistenz im Filmschneideraum wartet? Kamerapraxis bekommt man auch, wenn man Betonmischmaschinen oder Abfüllstraßen für Mineralwasser interessant ins Bild setzen lernt. Und die aufregendsten Special Effects und Computertricks werden heute für Werbefilme entwickelt. Nicht jeder Film spielt schließlich im Jurassic Park.

Über dieses Buch

Sie wollen wissen, wie man beim Film Geld verdient? In Teil II des Buchs finden Sie Jobs für Filmfreaks, von denen der überwiegende Teil in der Praxis gelernt werden kann und sich auch für Quereinsteiger eignet. Dabei werden Sie feststellen, dass Vorkenntnisse aus anderen Branchen vielfach helfen, sich schneller die nötigen Spezialkenntnisse anzueignen.

Die vorgestellten Berufe werden durch Informationen von und Interviews mit Menschen illustriert, die sie zum Teil seit Jahren ausüben. Die allermeisten haben "von der Pike auf" gelernt, das heißt: in der Praxis. In einigen Fällen empfehlen sie, für die Praxis in einer formalen Ausbildung oder an einer Schule eine theoretische Grundlage zu legen. Nicht nur dann erhalten Sie Informationen zu den Möglichkeiten des Fachschul- oder Hochschulbesuchs oder zum Ausbau Ihrer vorhandenen Fähigkeiten in Weiterbildungskursen. Welchen Weg zu Ihrem Berufsziel Sie einschlagen wollen, müssen Sie selbst entscheiden.

Die vorgestellten Filmjobs sind nicht nach spezifischen Tätigkeitsschwerpunkten oder dem Kriterium Kreativität geordnet (kreative Ideen können Produzenten, Regisseure, Kameraleute, Cutter oder Kritiker gleichermaßen haben), sondern nach dem Bereich der Filmherstellung, in dem sie angesiedelt sind:

· Filmproduktion
· Filme machen
· Filmtechnik
· Filme gestalten
· Postproduction
· Filme verkaufen
· Rund um den Film

Die vorgestellten Berufe dürfen jedoch über eins nicht hinwegtäuschen: Keins der Beispiele erspart es Ihnen, sich über den Job, der zu Ihnen passt, eigene Gedanken zu machen. In Teil III des Buches finden Sie daher einen Workshop, der Schritt für Schritt erläutert, wie Sie sich Ihr individuelles Berufsziel erarbeiten. Darin geht es nicht nur um Ihre Fähigkeiten und die klare Definition Ihrer Ziele. Sie erfahren auch, was Sie tun können und sollten, um diese Ziele zu erreichen.

Im Schlusskapitel geht es darum, wie Filmfreaks mit dem Filmteam zurecht kommen, wenn ihnen noch "der Stallgeruch" fehlt. Es gibt eine Reihe ungeschriebener Gesetze, die es zu beachten gilt, will man sich nicht schon am ersten Tag des Praktikums unbeliebt machen.

Film ist Technik, Film ist Hollywood, Film ist Tradition. Es gibt eine Fülle von Anglizismen und Fachbegriffen, auf die Sie am Set und in diesem Buch treffen werden. Weil nicht jeder alles wissen kann, finden Sie im Anhang ein kleines Wörterbuch für die im Text gebrauchten Begriffe. Eine kleine Sammlung von wichtigen Film-Adressen im Internet mag auch für Filmfreaks die eine oder andere zusätzliche Hilfe beim Recherchieren enthalten. Am Ende des Buchs finden Sie dann noch ein Register aller aufgeführten Berufe.


Sie können das Buch hier bestellen oder im Buchhandel kaufen.
(ISBN 3-593-36824-2 , Campus Verlag)

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