Vom Diakon zum Outdoortrainer

Vom Diakon zum Outdoortrainer: Oliver aus Tübingen

Als Oliver zum Berufsfindungsseminar kommt, macht er eine Ausbildung zum Diakon und wartet vage auf einen Studienplatz Medizin. Berufliche Anfangs-Ideen gibt es also -- allein: Es fehlt die Entscheidung. Im Seminar erzählt er von seinen Trekkingtouren. So wächst die Idee, Bergführer zu werden. Seine Berufsberaterin hätte den Sportmediziner vorgezogen, aber Oliver setzt sich durch. Eine Berufsentscheidung muss dem Berufssucher gefallen, und nicht der Berufsberaterin.

Die ersten Informationen zum neuen Job sind ernüchternd. Angehende Bergführer müssen auf einem extrem hohen sportlichen Leistungsniveau sein. Also überlegt der Berufswechsler, wie es jobtechnisch eine Nummer kleiner gehen könnte. Zwar hat er bereits Outdoortage bei der evangelischen Jugend organisiert. Doch alle sagen: „Damit kannst Du auf dem freien Markt kein Geld verdienen“. Und der Vorbehalt ist nicht unbegründet: Nicht jedes Hobby kann man zum Beruf machen.

Doch Oliver lässt sich nicht entmutigen. Erfolg im Beruf heißt auch: Erfolg gegen Widerstände. Im Internet stößt er auf die Praktikumsstelle eines Outdoortrainingsanbieters, mit dem er sieben Monate an der Mecklenburger Seenplatte und im Allgäu Schulklassen und Azubigruppen führt. Auf dem Programm stehen für Oliver Spaß an der Arbeit, und für die Jugendlichen Kletter- und Bergtouren, Bachbettbegehungen, Floßbau, Kanutouren und Schluchtüberquerungen. Danach ist dem Jobwechsler klar: „Die Idee stimmt, und da geht noch mehr.“

Oliver beginnt ein Studium Pädagogik, macht Trainerscheine für Kanu und Hochseilgarten. Danach geht er in eine Unternehmensberatung und entwickelt dort ein Outdoorkonzept für die Führungskräfte eines großen IT-Dienstleisters. Seine nächste berufliche Station: die Personalentwicklung einer Unterhaltungselektronik-Handelskette, die viel mit Outdoorelementen arbeitet. Heute unterscheidet Oliver nicht mehr zwischen Freizeit und Arbeit. „Ich merke gar nicht, wenn ich arbeite.“