Interview mit Uta Glaubitz

Interview

mit Uta Glaubitz

aus: MANAGER MAGAZIN, August 1998

Die Berliner Beraterin Uta Glaubitz berät Hochschulabsolventen bei der Berufsfindung und gibt bundesweit individuelle Trainings.

mm: Frau Glaubitz, sollten Studenten vor dem Examen nicht wissen, welche Karriere sie ansteuern?

Glaubitz: Im Grunde ja. Tatsache ist allerdings: Die meisten haben nicht einmal eine Ahnung, was sie mit ihrem Diplom anfangen sollen.

mm: Aber sie haben sich doch für eine klare Fachrichtung entschieden.

Glaubitz: Ich trainiere viele angehende Juristen und Betriebswirte. Denen schwebt zu Studienbeginn selten ein Berufsziel vor. Es geht ihnen um eine breite Qualifikation, um für möglichst viele Arbeitgeber interessant zu sein.

mm: Geht das Kalkül auf?

Glaubitz: Im Gegenteil. Je breiter die Ausbildung und je vager das Ziel, desto unspezifischer ist das Profil. Der einzelne geht in der Masse ähnlich Ausgebildeter unter. Zudem tut er sich persönlich keinen Gefallen: Ich kann in meinem Job nur gut sein, wenn ich das tue, was mir am meisten Spaß macht.

mm: Ist das nicht naiv? Die meisten Berufseinsteiger sind froh, überhaupt einen Arbeitsplatz zu ergattern.

Glaubitz: Aber sie haben nichts von einem beliebigen Studienabschluß, selbst wenn die Noten gut sind. Gerade heute suchen Arbeitgeber Problemlöser. Für Bewerber bedeutet das, sie müssen etwas anbieten, das nur sie können, und worin sie besser sind als die Konkurrenz.

mm: Mit welcher individuellen Strategie soll sich einer unter 200.000 Absolventen hervortun?

Glaubitz: Diese Frage stellen meine Seminarteilnehmer auch. Die kurze Antwort: Jeder hat spezielle Talente und Neigungen. Ich lehre Studenten, Fähigkeiten und Lust zu verknüpfen und sich so ihren Beruf selbst zu kreieren. Es gibt genug Beispiele, die belegen, daß diese Strategie zum Ziel führt. Jeden Tag schaffen Leute neue Tätigkeitsprofile. Vor fünf Jahren war der Begriff Contentmanager noch unbekannt, ebenso der Job des Ideenscouts. Die Botschaft heißt: Mut zur Individualität. Die gesamte Internet-Generation ist auf diese Art entstanden.