Von der Krankenschwester zur Kapitänin

Von der Krankenschwester zur Kapitänin: Beate aus Hannover

Ein Berufswechsel muss nicht radikal sein. Radikalität ist in der Berufsfindung gar kein Maßstab. Entscheidend ist, ob der Beruf passt oder nicht. Und ob der neue Beruf besser passt und mehr Spaß macht als der alte. Bis 35 arbeitet Beate als Krankenschwester. „Aber mir war klar: Das kann jetzt nicht alles gewesen sein!“ Als 15jährige hatte sie einen Artikel über die ersten deutschen Kapitäninnen gelesen. Die Fotos von den Frauen auf der Brücke gehen ihr seitdem nicht mehr aus dem Kopf.

Ist das bereits genug für einen Berufswechsel? Natürlich nicht. Aber es ist ein erster Hinweis, wo es beruflich hingehen könnte. Manche finden mit einem kleinen Hinweis auf den beruflichen Weg, andere brauchen 10 Hinweise für einen Neuanfang.

Im Berufsfindungsseminar entscheidet sich Beate, ihrem Traum nachzugehen und absolviert ihr erstes Praktikum auf einem Schiff. Später geht sie an die Fachhochschule Leer/Ostfriesland und paukt Schiffbau, Ladungstechnik, Gesundheitslehre, Meteorologie, terrestrische und astronomische Navigation. Der neue Beruf nimmt Form an. In den Praxissemestern fährt sie rund um die Welt: Norwegen, Schweden, Frankreich, Spanien, Portugal, Golf von Mexiko, Kuba und Texas. Sie fährt Multipurpose-Schiffe, die Getreide ebenso laden können wie Maschinenbauteile, Schwergut und Container.

Heute fährt die Berufswechslerin ihr Kapitänspatent zwischen Bremen, Südafrika und Singapur aus. An Bord läuft übrigens niemand in Uniform herum – Blaumänner und Jeans sind angesagt. Im Hafen kommt oft ein Helm dazu. Zum neuen Beruf eine neue Garderobe, und übrigens auch ein neuer Kontostand.

Im Jahr 2018 beginnt eine neue Ära: Beate hat ihr Kapitänspatent als 1. Offizierin ausgefahren und startet ihre erste Reise als Kapitänin. Nach ihrer Rückkehr schreibt sie eine Mail: "Es war ein voller Erfolg. Ich hatte eine super Crew und tolle Offiziere. Dazu ein gutes Schiff, was ich jetzt fest fahren darf. Alle drei Monate bin ich für drei Monate zu Hause und genieße Berlin." Muss man dazu noch irgendwas sagen?